Consors Vater will Sohn verkaufen
Nürnberg - Consors Ergebnis vor Steuern rutschte auf 40,9 Millionen Euro ins Minus. Im Vorjahr hatte der Discountbroker noch ein Plus von 6,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Baisse an den Finanzmärkten macht dem Unternehmen zu schaffen: Das Depot- und Einlagevolumen hat sich in den letzten zwölf Monaten praktisch halbiert, die Zahl der Transaktionen ging um 40 Prozent zurück.
Die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet, dass Consors verkauft werden soll. Die finanziell bedrängte Schmidt-Bank suche einen Partner für den Online-Broker, an dem sie knapp zwei Drittel der Anteile hält. Verhandelt werde mit Interessenten aus dem In- und Ausland, habe eine Consors-Sprecherin bestätigt. Es seien alle Arten der Zusammenarbeit denkbar - von einer lockeren Kooperation über eine Überkreuz-Beteiligung bis zum Verkauf, so die Sprecherin. Mit den Verhandlungen soll der FTD zufolge die US-Investmentbank Goldman Sachs beauftragt worden sein.
Die deutschen Online-Broker, die derzeit durchweg tiefrote Zahlen schreiben, befinden sich in einer Konsolidierungsphase. Consors benötigt am dringendsten einen finanzstarken Partner - anders als die wichtigsten Mitbewerber hat der Discountbroker keine Großbank im Rücken. Comdirect ist eine Tochter der Commerzbank ; die DAB Bank gehört mehrheitlich der HypoVereinsbank .
- manager magazin:Online in die Krise - Die Fehler der Direktbroker
- manager-magazin.de:Reichste Deutsche - Privatbankchef Karl Gerhard Schmidt
Die Schmidt-Bank aus Hof in Nordost-Bayern ist eine der wenigen deutschen Privatbanken, die ihre Selbstständigkeit bewahrt hat. Sie ist ausschließlich in Franken, Sachsen und Thüringen tätig. Bislang hatte Mitinhaber Karl Gerhard Schmidt betont, an der von seinem Sohn Karl Matthäus gegründeten Consors festzuhalten - auch wenn der Online-Broker seit Beginn der Börsen-Baisse nur noch Verluste schreibt. Nun steckt das Mutterhaus selbst in so großen Problemen, dass die Schmidt-Bank ihre Tochter zum Verkauf stellen muss.