Conti-Übernahme: Schaeffler beginnt Blitz-Kauf - DER SPIEGEL
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Conti-Übernahme Schaeffler beginnt Blitz-Kauf

Rapide Übernahme: Einen Tag nach der offiziellen Einigung mit Continental hat Schaeffler bereits mit dem Aufkauf großer Aktienpakete begonnen und mit den Gewerkschaften Verträge unterzeichnet. Auch der Kampf um den Conti-Chefposten scheint bereits entschieden zu sein.
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Frankfurt - Schaeffler treibt die Übernahme von Continental mit großen Schritten voran: Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen bereits Swap-Geschäfte mit der Bank Merrill Lynch gekündigt. Mehrere Banken verkaufen nun die von ihnen gehaltenen Continental-Aktien an Schaeffler. Finanzkreise rechnen damit, dass das Familienunternehmen in den kommenden Tagen seine Beteiligung auf rund 36 Prozent aufstocken könnte.

Die Wertpapiergeschäfte (genauer Hintergurnd zu deren Ablauf siehe Schaeffler-Angebotsunterlage, Kapitel 6.8 ) hatten im Kampf um den Einstieg eine entscheidende Rolle gespielt, da sich Schaeffler dadurch unbemerkt einen großen Einfluss bei Conti sichern konnte. Der zurückgetretene Conti-Chef Manfred Wennemer hatte sie als "illegal" bezeichnet, die Finanzaufsicht Bafin stimmt dem allerdings nicht zu.

Auch vertraglich geht es mit der Übernahme schnell voran: Schaeffler und die für Conti zuständigen Gewerkschaften haben bereits eine Erklärung unterzeichnet, in der der künftige Großaktionär unter anderem den Erhalt der Arbeitsplätze zusichert. Auch soll das Unternehmen laut Erklärung nicht zerschlagen werden, der Konzernsitz bleibt erhalten, Tarif- und Betriebsverträge unangetastet .

Die Erklärung, die die Gewerkschaften IG Metall und IG BCE am Freitag in Hannover veröffentlichten, folgt den Zusagen, die Schaeffler bereits in der Vereinbarung der beiden Unternehmen abgegeben hatte. Die Regelungen gelten unbefristet und können frühestens 2014 gekündigt werden. Ex-Kanzler Gerhard Schröder soll die Einhaltung der Übernahmeregeln garantieren.

IG BCE-Vorstand und Vize-Aufsichtsratschef Werner Bischoff begrüßte die Vereinbarung als "einen wichtigen Schritt in eine neue Ära bei Continental". Damit sei eine gute Basis für die weitere Zusammenarbeit gelegt. IG-Metall Bezirksleiter Hartmut Meine wertete sie als Zeichen dafür, dass der neue Großaktionär um einen kooperativen Stil mit Beschäftigten, Betriebsräten und Gewerkschaften bemüht sei.

Nach intensiven Gesprächen hatten sich Conti und Schaeffler in der Nacht zum Donnerstag auf eine friedliche Übernahme geeinigt. Schaeffler erhöhte sein Kaufangebot auf 75 Euro je Aktie, machte umfangreiche Zusagen - und beendete damit eine wochenlange Schlammschlacht.

Neumann Favorit für Wennemer-Nachfolge

Conti-Chef Manfred Wennemer, der den Einstieg von Anfang an heftig bekämpft hatte, scheidet zum 31. August aus dem Amt. Mit der Nachfolge von Wennemer will sich der Conti-Aufsichtsrat ab Samstagmittag befassen. Zwei von Wennemer aufgebaute Kandidaten stehen bereit: Technikvorstand Karl-Thomas Neumann, 47, und Finanzchef Alan Hippe, 41.

Beobachtern zufolge soll Neumann die besseren Karten haben, da er den für Schaeffler besonders interessanten Elektronik-Bereichen von Conti vorsteht. Wie das "manager magazin" berichtet, steht die Wahl von Neumann bereits fest. Conti und Schaeffler lehnten eine Stellungnahme dazu ab.

Ob der Aufsichtsrat am Samstag auch den schon längere Zeit gesuchten neuen Finanzchef bestimmt, ist unklar. Conti hatte Hippe im April die Verantwortung für das Pkw-Reifengeschäft übertragen, ab September soll er auch die Spezialschläuche-Sparte Contitech führen. Dafür gibt er allerdings das Finanzressort ab, wie Conti im März beschlossen hatte.

Berichten zufolge soll der Deutsche-Post-Manager Michael Krause, 32, Hippe beerben. Bei den Personalentscheidungen mischt Schaeffler offiziell noch nicht mit. Denn bislang haben die Franken keinen Sitz im Aufsichtsrat.

Das soll sich allerdings bald ändern: Kreisen zufolge strebt Schaeffler vier Mandate an. Wie das Magazin "Focus" in seiner Internet-Ausgabe berichtet, wollen Schaeffler-Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler, ihr Sohn Georg, Vorstandschef Jürgen Geißinger und der Finanzvorstand Thomas Hetmann in das Gremium einziehen. Ex-Conti-Chef Hubertus von Grünberg werde den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden behalten.

ssu/AFP/dpa/ddp/Reuters