Copyrightverletzung Oracle verklagt SAP wegen Spionage
San Francisco/Stuttgart - SAP habe Tausende unter Urheberrechtsschutz stehende Software-Produkte und anderes vertrauliches Material gestohlen, hieß es in der bei einem Bezirksgericht in Kalifornien eingereichten Klage. "Bei diesem Fall handelt es sich um unternehmerischen Diebstahl in großem Stil begangen von der größten deutschen Software - ein Konglomerat bekannt unter dem Namen SAP".
Konkret wirft der US-Konzern SAP in seiner 44 Seiten umfassenden Klagebegründung vor, urheberrechtlich geschützte Dateien von Oracle-Servern heruntergeladen zu haben. Dazu habe sich SAP der Zugangsdaten und Passwörter von Oracle-Kunden bedient. Die Vorfälle seien Oracle im November 2006 aufgefallen, als die Download-Aktivitäten auf den Support-Servern der Töchter Peoplesoft und J.D. Edwards sprunghaft angestiegen seien. Die Logdateien hätten zu SAP-Computern zurückverfolgt werden können, heißt es weiter.
Mit der Klage will Oracle erreichen, dass SAP künftig von der Benutzung der hauseigenen Webseiten ausgeschlossen wird und alle gestohlen Dokumente zurückgibt. Außerdem soll das Gericht eine Geldstrafe verhängen, die Oracle allerdings nicht konkret benennt.
Ein Sprecher von SAP wollte die Vorwürfe auf Anfrage zunächst nicht kommentieren. "Wir habe gerade von der Klage erfahren und die Pressemitteilung von Oracle gelesen", sagte Unternehmenssprecher Steve Bauer dem "Wall Street Journal". Die Rechtsabteilung müsse die Klageschrift erst studieren, bevor man sich zu den vorwürfen äußern könne.
Die Rivalität der beiden Unternehmen zählt seit Jahren zu den Besonderheiten der Branche. Oracle-Chef Charles Philips hatte erst gestern anlässlich der Vorlage seiner Quartalszahlen seine Kampfansage an die Walldorfer erneuert. "Obwohl SAP in der Unternehmenssoftware noch immer größer ist als Oracle, schließen wir die Lücke stetig und rapide", sagte er. SAP sei zuletzt deutlich langsamer gewachsen seien als sein Unternehmen.
Den Anschluss an die Walldorfer hatte Oracle allerdings nur durch den Kauf einer ganzen Reihe kleinerer Unternehmen geschafft. Erst Anfang des Monats hatte Philips den Kauf des amerikanischen Softwareherstellers Hyperion für 3,3 Milliarden Dollar angekündigt. Neben den Datenbankprogrammen bildet die Unternehmenssoftware inzwischen ein zweites Standbein der Amerikaner. Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2006/2007, das zum 31. Mai endet, hatte das Unternehmen beim Verkauf neuer Lizenzen in dieser Sparte einen Umsatzsprung um 57 Prozent auf 423 Millionen Dollar angegeben. Der Umsatz mit Lizenzen gilt Experten als Indikator für künftige Umsätze etwa mit Dienstleistungen.
SAP dagegen hat heute seine Dividende kräftig aufgestockt. Für das Jahr 2006 sollen 46 Cent je Aktie ausgeschüttet werden - 27 Prozent mehr als für das Jahr davor. Insgesamt schütte der Konzern damit 560 Millionen Euro aus, heißt es in der Mitteilung. Damit erhalten die Aktionäre exakt 30 Prozent des Gewinns, den SAP im vergangenen Jahr um 25 Prozent auf 1,87 Milliarden Euro gesteigert hatte.
SAP orientiert sich seit Jahren an einer Ausschüttungsquote von 30 Prozent. Finanzvorstand Werner Brandt hatte angekündigt, daran weiter festzuhalten. In der Technologiebranche waren hohe Dividenden lange unüblich. Die Hauptversammlung am 10. Mai muss dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat noch zustimmen.
mik/Reuters/dpa-AFX/vwd