Coronakrise Impfaktionswoche startet schwach
Impfbus auf einem Supermarktparkplatz bei Hannover: Überschaubare Nachfrage
Foto: Julian Stratenschulte / dpaZum Auftakt der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ausgerufenen Impfaktionswoche haben sich offenbar nur wenige Menschen impfen lassen.
Am Montag wurden laut Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) in ganz Deutschland nur 118.048 Dosen Impfstoff verabreicht. Das war der niedrigste Wert an einem Wochentag seit mehr als sieben Monaten; es könnte aber noch Nachmeldungen geben. Am Montag vor einer Woche fanden noch mehr als 153.000 Impfungen statt.
Auffallend wenige Erstimpfungen
In der Impfaktionswoche – für die neben dem Bund auch Länder, Kommunen, der Handel sowie verschiedene Verbände und Organisationen ihre Unterstützung erklärt hatten – sollen unter dem Motto »#HierWirdGeimpft« Bürgerinnen und Bürgern im ganzen Land einfache Impfmöglichkeiten angeboten werden.
Dabei soll auf Ungeimpfte gezielt zugegangen werden, um die stockende Kampagne neu zu beleben.
Jens Spahn
Foto: via www.imago-images.de / imago images/Political-MomentsDoch gerade die besonders wichtige Zahl der Erstimpfungen war am Montag auffällig schwach. Lediglich 46.367 erste Dosen wurden dem RKI gemeldet – fast 27 Prozent weniger als am Montag vergangener Woche.
Im Verlauf der gesamten Impfkampagne wurden nur an zwei Werktagen noch weniger Erstimpfungen vorgenommen als diesen Montag: ganz zu Anfang, als es noch fast keinen Impfstoff gab. Heute haben Bund und Länder Millionen von Dosen gelagert, die sie nicht verabreicht bekommen.
Carsten Watzl, Professor für Immunologie an der Technischen Universität Dortmund, über den Start der Impfaktionswoche
Auch bei den Zweitimpfungen ging es am Montag nochmals bergab: 58.709 verabreichte Dosen, das entspricht minus 22 Prozent im Wochenvergleich. Die Zahl der Drittimpfungen lag mit 12.972 rund 12 Prozent niedriger als sieben Tage zuvor.
»Es ist traurig, dass so wenig passiert«, sagte Carsten Watzl, Professor für Immunologie an der Technischen Universität Dortmund, dem SPIEGEL. »Man erreicht die noch nicht geimpften Leute offenbar nicht, wenn man nur einen Impfbus vor deren Tür parkt. Diese Menschen müssen wir besser aufklären.«
Watzl zufolge genügt die bisherige Quote von rund 62 Prozent voll geimpften Bundesbürgern längst nicht, um die Coronamaßnahmen aufzuheben, so wie es Dänemark gerade gemacht hat. In dem skandinavischen Land sind nur vier Prozent der besonders gefährdeten über 65-jährigen Einwohner ungeimpft – in Deutschland hingegen noch rund 15 Prozent der über 60-Jährigen.
»Das sind vier Millionen ungeimpfte Ältere«, sagte Watzl. »Wenn wir jetzt einfach alles laufen lassen würden, könnten wir eine sehr hohe Welle erleben.« Deswegen müsse Deutschland weiter mithilfe von Beschränkungen versuchen, die Ausbreitung der Delta-Variante zu verlangsamen, um eine plötzliche Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern.