Cover Stories Die Tricks der Personalberater
München - In der Personalberatung ist es üblich, so genannte "Cover Stories" zu erzählen. Das sind Geschichten, die das wahre Interesse - nämlich gute Mitarbeiter abzuwerben - verdecken sollen. Dies geschieht in der Regel unbemerkt. Wie "manager magazin online" berichtet, sind aber einige Personalberater zu weit gegangen und müssen mit Sanktionen rechnen.
In einem Fall stellte sich eine Frau telefonisch als Mitarbeiterin der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing (BAW) vor und befragte die Chefin einer Lizenzagentur zu Teilnehmern für eine Seminarveranstaltung. Karin Böll, die unwissende Chefin schilderte der angeblichen BAW-Frau die Profile ihrer Mitarbeiter und empfahl sogar zwei potenzielle Referenten. Mit einem nahm die Anruferin dann auch umgehend Kontakt auf, allerdings unter Nennung ihrer wahren Identität: Die angebliche Akademie-Mitarbeiterin entpuppte sich als Personalberaterin, die einfach einen Mitarbeiter abwerben wollte.
Die der Trickserei bezichtigte Beraterin arbeitet bei der Münchener Beratungsfirma Leaders-Trust International. Sie bestätigte gegenüber "manager magazin online", dass es üblich sei, in Unternehmen "Cover Stories" zu erzählen. Dabei versteckt sich der Berater hinter einer erfundenen Identität oder fragt sich mit Vorwänden zu den gesuchten Kandidaten durch.
"Einige Firmen sind etwas verschlossen", erklärte die Beraterin, und wer sich schon beim Anruf in der Firmenzentrale als Headhunter outet, wird kaum bis zum Chef durchgestellt. Somit müsse ein Personalberater "bestimmte Techniken" anwenden, um den richtigen Ansprechpartner finden zu können.
Ihr Vorgesetzter, Leaders-Trust-Geschäftsführer M. Jon Nedelcu, will den konkreten Fall ebenfalls nicht bestätigen. Er gibt aber zu, dass entsprechende Etikettenschwindel-Aktionen bei Personalberatern "absolut branchenüblich" seien - ähnlich wie bei Versicherungsvertretern, Vermögensverwaltern oder Anlageberatern.
"Das scheint eine neue Masche zu sein", glaubt Christoph Weyrather, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) in Bonn. Immer wieder verschanzen sich Headhunter hinter den Namen angesehener Institutionen, um so die Betriebe auszuhorchen und geeignete Kandidaten ausfindig zu machen. Die angerufenen Mitarbeiter rücken die erbetenen Informationen unbefangen heraus, da sie der entsprechenden Institution vertrauen.
Sogar der Name der BDU selbst wurde neulich für einen Etikettenschwindel missbraucht, erinnert sich Weyrather: Eine angebliche BDU-Mitarbeiterin rief bei Consulting-Firmen an, weil sie Referenten für ein Seminar zum Thema "Organisationsberatung" suchte.
In der Regel führt der Etikettenschwindel nicht zu Sanktionen, seitens der BAW droht dem Beratungsunternehmen Leaders-Trust International dagegen Ärger. Akademie-Präsident Heinrich Pöhlein war nicht begeistert, als er von dem angeblichen Beratertrick hörte. "Unverschämt und unlauter" findet Pöhlein die Verwendung des BAW-Labels für die Zwecke des Headhuntings, und er will gegebenenfalls "in aller Form" dagegen vorgehen.