Daimler paradox: Chrysler brilliert, Mercedes schwächelt - DER SPIEGEL
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Daimler paradox Chrysler brilliert, Mercedes schwächelt

Der Autobauer DaimlerChrysler, jüngst durch kontroverse Einsparungen bei der Belegschaft aufgefallen, verblüfft die Börse mit beträchtlich gestiegenen Bruttoprofiten. Auch der lange kriselnde US-Ableger trug dazu bei - während Mercedes schwächelt.
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Stuttgart - Im zweiten Jahresviertel konnte DaimlerChrysler das operative Ergebnis von 0,6 Milliarden Euro im Vorjahr auf nunmehr 2,1 Milliarden Euro steigern. Analysten hatten durchschnittlich mit einem Wert unter zwei Milliarden Euro gerechnet. An der Frankfurter Börse notierten Daimler-Aktien  gegen 12.30 Uhr bei 37,55 Euro, ein Plus von 1,2 Prozent zum Vortag.

Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 554 Millionen Euro, nach 109 Millionen Euro im Vorjahr. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern weiterhin damit, sein bereinigtes operatives Ergebnis auf über fünf Milliarden Euro steigern zu können.

Das Unternehmen begründete das hohe Ergebnis mit Erfolgen bei Chrysler und im Nutzfahrzeuggeschäft. Die großen Verluste beim japanischen Partner Mitsubishi Motors allerdings belasteten das Ergebnis mit fast einer halben Milliarde Euro.

Ebenfalls bedenklich: Der größte Ertragsbringer, die Pkw-Sparte von Mercedes, wird im laufenden Jahr nicht an das Ergebnis aus dem Vorjahr herankommen. Zwar werde die neue A-Klasse den Absatzrückgang des ersten Halbjahres mehr als wettmachen. Ein veränderter Produktmix, Wechselkurseffekte und Vorleistungen für neue Produkte würden das Ergebnis aber belasten. Hinzu kämen Kosten für die Qualitätssteigerung. Die Mercedes Car Group hatte im vergangenen Jahr operativ rund 3,1 Milliarden Euro verdient.

Wechselspiel im Vorstand

Zuvor war offiziell eine Umbildung des Vorstandes bekannt gegeben worden. Neuer Mercedes-Chef und Nachfolger von Jürgen Hubbert wird demnach wie erwartet Eckhard Cordes, sein Mitbewerber Wolfgang Bernhard verlässt das Unternehmen. Der 53-jährige Cordes übernimmt das Amt zum 1. Oktober. Hubbert bleibt als Chef des Executive Automotive Committee noch bis April 2005 im Vorstand des Konzerns, hieß es nach einer Sitzung des Aufsichtsrates.

Cordes hatte 1998 maßgeblich an der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler mitgewirkt. Im Jahr 2000 übernahm er die Spitze der Nutzfahrzeug-Sparte, sanierte die US-Lkw-Tochter Freightliner und führte den größten Lkw- und Bus-Hersteller der Welt aus den roten Zahlen. Cordes gilt neben Chrysler-Chef Dieter Zetsche als möglicher Nachfolger von Vorstandschef Jürgen E. Schrempp.

Den bisherigen Job von Cordes als Chef der Nutzfahrzeugsparte übernimmt Smart-Chef Andreas Renschler, der damit ab Oktober in den Vorstand aufrückt. Neuer Smart-Chef wird Ulrich Walker, der zuletzt Vorstandsmitglied bei Mitsubishi Motors war.

Die Personalien waren seit längerem erwartet worden. Eigentlich hatte DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp Chrysler-Vize Wolfgang Bernhard als neuen Mercedes-Chef vorgesehen. Die Entscheidung wurde aber wieder rückgängig gemacht, weil sich Bernhard bei Arbeitnehmervertretern mit radikalen Vorschlägen unbeliebt gemacht hatte. Der Manager scheidet den Angaben zufolge mit sofortiger Wirkung aus dem Unternehmen aus.

Nach bisherigen Angaben aus Unternehmenskreisen soll Bernhard künftig im VW-Konzern die Führung der Markengruppe Volkswagen übernehmen, zu der auch Skoda, Bentley und Bugatti zählen. DaimlerChrysler und VW haben es bisher abgelehnt, zu dem angeblichen Wechsel Stellung zu nehmen.