DaimlerChrysler Aktie fällt auf Rekordtief
Frankfurt am Main - Aktienhändler sagten, zum Jahresende würden Investoren ihre Bücher schließen, dadurch komme es offenbar zu Verkäufen der DaimlerChrysler-Papiere: Die Aktie fiel am Mittwoch zeitweise auf 42,80 Euro und damit auf den tiefsten Wert seit der Gründung des Unternehmens 1998. Der derzeitige Kurs der Aktie entspricht in etwa dem des Papiers des Vorgängerunternehmens Daimler-Benz im Oktober 1996.
Ein Ende der Durststrecke scheint nicht in Sicht: Dem "Handelsblatt" zufolge muss der Konzern 2001 Rückstellungen für neue Verluste bei Chrysler bilden. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf Aufsichtsratskreise, die Bildung von Rückstellungen sei sehr wahrscheinlich, jedoch werde in der Stuttgarter Zentrale noch gerechnet. Ein DaimlerChrysler-Sprecher wollte dazu nicht Stellung nehmen.
Mit einem Kurs von rund 43 Euro lag die DaimlerChrysler-Aktie am Nachmittag in Frankfurt um gut zwei Prozent unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Anleger sähen vermutlich vorerst kein Aufwärtspotenzial für die Aktie, da erst im Februar ein Plan zur Umstrukturierung von Chrysler vorgelegt werde, sagte Analystin Claudia Erdmann von der Hamburgischen Landesbank. Ein anderer Analyst sagte, Investoren wechselten angesichts der düsteren Aussichten für den US-Markt immer noch von DaimlerChrysler-Aktien zu Anteilen von BMW und Volkswagen, deren Aktienkurse deutlich im Plus lagen.
DaimlerChrysler hatte zuletzt angekündigt, für das vierte Quartal 2000 bei Chrysler einen höheren operativen Verlust von etwa 1,4 Milliarden Euro zu erwarten. Dadurch dürfte sich unter dem Strich der operative Gewinn des gesamten Konzerns im Jahr 2000 ohne Berücksichtigung von Einmaleffekten auf 5 bis 5,5 Milliarden Euro halbieren. Die Stuttgarter hatten im November auch die Führung der angeschlagenen US-Tochter ausgewechselt. Der neue Chrysler-Chef Dieter Zetsche soll nun bis Ende Februar ein Konzept zur grundlegenden Neuausrichtung des Detroiter Autoriesen vorlegen.
Analysten gehen davon aus, dass DaimlerChrysler möglichst früh alle Negativposten bei Chrysler als Einmaleffekte verbuchen wird, um später davon nicht mehr belastet zu werden. Dies würde auch dem Vorgehen des Vorstandschefs Jürgen Schrempp beim Umbau des Daimler-Konzerns nach seinem Amtsantritt im Jahr 1995 entsprechen. Damals hatte die Daimler-Benz AG einen Rekordverlust von 5,7 Milliarden Mark ausgewiesen - am Ende der Sanierung im Jahr 1996 konnte sie bereits wieder einen Gewinn von 2,8 Milliarden Mark verbuchen.
DaimlerChrysler prüft nach eigenen Angaben auch eine Zusammenarbeit seiner Finanzdienstleistungs-Sparte mit den entsprechenden Abteilungen seiner asiatischen Partner Mitsubishi und Hyundai. Ein Konzernsprecher sagte, DaimlerChrysler habe mit seinen Partnern über die Möglichkeit gesprochen, Finanzdienstleistungen für Mitsubishi- und Hyundai-Fahrzeuge in Europa und den USA anzubieten. Wann eine Entscheidung darüber fallen könnte, ließ der Sprecher offen.