DaimlerChrysler: Angst und Schrecken in Sindelfingen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

DaimlerChrysler Angst und Schrecken in Sindelfingen

Beim Autokonzern DaimlerChrysler zeichnen sich einem Zeitungsbericht zufolge Stellenstreichungen ab. Gefährdet sei vor allem das schlecht ausgelastete Sindelfinger Stammwerk.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Stuttgart - Den "Stuttgarter Nachrichten" zufolge könnten mehrere tausend Stellen betroffen sein. Der Löwenanteil entfalle auf das derzeit nur mäßig ausgelastete Hauptwerk in Sindelfingen, in geringerem Umfang sei auch Bremen betroffen. Es werde auch die Entsendung von Beschäftigten an besser ausgelastete Standorte diskutiert. Neben der Entsendung an andere Standorte sei auch die Zahlung von hohen Abfindungen denkbar. Dem Bericht zufolge gibt es Spekulationen, dass der Autobauer 5000 Beschäftigte zu viel hat.

Hintergrund ist die schwache Autokonjunktur und das bereits im Februar von Mercedes-Chef Eckhard Cordes angekündigte Sparprogramm Core. Ein Unternehmenssprecher sagte heute in Stuttgart, dass die bis zum Jahr 2012 vereinbarte Beschäftigungssicherung Bestand habe. Der Vertrag, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließe, gelte unverändert fort.

DaimlerChrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp und Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm waren zuvor zu einem Gespräch zusammengekommen. Ein Daimler-Sprecher erklärte, es gebe keine Entscheidung über Personalmaßnahmen. Alles Weitere werde in den nächsten Monaten entschieden. Eine Sprecherin des Gesamtbetriebsrats sagte nur, es gebe Gespräche. Weitere Details wollte sie nicht bekannt geben.

Sindelfingen ist das größte inländische Pkw-Werk von DaimlerChrysler  . Laut "Stuttgarter Nachrichten" liegt die maximale Produktionskapazität bei rund 500.000 Autos im Jahr. In diesem Jahr werden dem Bericht zufolge bis zu einem Fünftel weniger Fahrzeuge vom Band laufen. Offenbar gehe man bei Mercedes davon aus, dass zu viel Personal an Bord sei.

Quartalszahlen am Donnerstag

DaimlerChrysler hatte in der Vergangenheit immer wieder erklärt, dass die Beschäftigung in Deutschland in diesem Jahr in etwa stabil bleiben soll. Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben Ende 2004 rund 185.000 Mitarbeiter in Deutschland.

"Die im vergangenen Jahr abgeschlossenen Verträge zur Sicherung der Beschäftigung zeigten sich jetzt möglicherweise als sehr weitsichtig", sagte der Vorsitzende des Betriebsrats im Werk Untertürkheim, Helmut Lense, dem Blatt. Er äußerte die Erwartung, dass die Vereinbarungen eingehalten werden.

Sie erlaubten aber auch die Streichung von Stellen, etwa durch Angebote für ein freiwilliges Ausscheiden. Angesichts der schleppenden Autokonjunktur könnten sich jetzt im Unternehmen einige "hinsetzen und rechnen", meinte Lense.

Am Donnerstag will DaimlerChrysler die Zahlen zur Entwicklung im ersten Halbjahr 2005 bekannt geben. Am selben Tag trifft sich auch der Aufsichtsrat. Gerüchte, dass der Konzern eine Gewinnwarnung veröffentlichen werde, wurden von einem Sprecher zurückgewiesen, wie die "Stuttgarter Zeitung" berichtete.