DaimlerChrysler-Chef "Es gibt nichts zu beschönigen"
Sindelfingen - Mit gewohnt steinerner Miene und in kühlem Ton eröffnete Schrempp die Pressekonferenz. "Die Situation in den USA hat sich dramatisch verschlechtert. Dazu kommen hausgemachte Probleme, die wir nun lösen müssen, da gibt es nichts zu beschönigen", sagte der Konzernchef.
Ein Lächeln huschte nur über sein Gesicht, als er über Mercedes und Smart sprach. Dort zeigen die Pfeile alle nach oben. Ganz im Gegensatz zu Chrysler fuhren die beiden Marken ein Rekordjahr ein. Der weltweite Absatz dieser Geschäftsfelder von DaimlerChrysler nahm im Jahr 2000 um sieben Prozent auf 1.154.900 Einheiten zu. In den USA wurden zum ersten Mal mehr als 200.000 Mercedes-Benz-Fahrzeuge verkauft.
Wachstumsträger waren vor allem die M-Klasse, die S-Klasse und die neue C-Klasse, die mit einem Absatz von 147.900 Einheiten einen außerordentlich guten Start verzeichneten. Mit einem weltweiten Marktanteil von 53 Prozent war die S-Klasse erneut die Nummer eins in ihrem Segment. Beim Smart erreichte der Absatz 102.100 Einheiten.
Schrempps Gesichtszüge gefroren sofort wieder, als er auf Chrysler zu sprechen kam. Um 90 Prozent ist der operative Gewinn im Jahr 2000 eingebrochen. Hier verwies der DaimlerChrysler-Chef schnell auf Dieter Zetsche und sein Team, denen er das "volle Vertrauen" aussprach. Bei der US-Sparte erwartet der Konzern in 2001 einen operativen Verlust zwischen 2,2 Milliarden und 2,6 Milliarden Euro. Das Restrukturierungsprogramm für Chrysler sieht neben der Reduzierung der Zuliefererkosten, dem Abbau von 26.000 Stellen und der Schließung von sechs Werken in den nächsten drei Jahre vor, zwischen 2000 und 2003 mehr als zwei Drittel der Produkte zu erneuern.
Kurz und knapp fasste Schrempp das Desaster bei Mitsubishi zusammen: "Eine hochkomplizierte Produktpalette, unzureichende Plattformstrategie, zu hohe Verwaltungskosten", zählte Schrempp mit eisiger Stimmer auf. Auch hier setzt der Konzernchef auf seinen Vertrauten Rolf Eckrodt, der neben Takeshi Sonobe die Geschäfte bei Mitsubishi führt. Der japanische Automobilhersteller will die Materialkosten um 15 Prozent sowie die jährlichen Produktionskapazitäten bis zum Jahr 2003 um 20 Prozent senken. Dabei werde auch über die Schließung eines Autowerkes nachgedacht, teilte der Autobauer am Morgen in Tokio mit.
Der Kurs der DaimlerChrysler-Aktie zeigt sich wenig beeindruckt von den Ausführungen der DaimlerChrysler-Führung. Bis zum späten Vormittag pendelte sich die Aktie wieder auf Vortagesniveau ein, nachdem sie am Morgen kurzzeitig im Plus gelegen hatte. "Derzeit sind andere Dax-Werte interessanter", sagte ein Händler in Frankfurt, "die Kursentwicklung bei Daimler scheint mir derzeit ausgereizt."
Analysten zeigten sich enttäuscht über den am Montag vorgestellten Ausblick auf den Konzerngewinn des laufenden Geschäftsjahres sowie der kommenden beiden Jahre. Die meisten von ihnen waren vor allem mit dem Gewinnausblick für 2001 in Höhe von 1,2 bis 1,7 Milliarden Euro unzufrieden, aber auch die Aussichten für 2002 und 2003 ließen die Experten nicht jubeln.
Einzig die Bekanntgabe, dass die gemeinsame Auto-Plattform mit dem japanischen Partner Mitsubishi forciert werden solle, brachte einen Silberstreifen am Horizont. Die Plattform-Strategie biete eine handfeste Perspektive für die angekündigte Kostenreduzierung innerhalb des Konzerns, sagte ein Analyst.