DaimlerChrysler-Chefkontrolleur Bischoff könnte Kopper beerben
Frankfurt am Main/Stuttgart/Hamburg - Die Wahl Bischoffs durch das Kontrollgremium des Autokonzerns sei intern bereits vereinbart, berichtet die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX heute unter Berufung auf Finanzkreise. Den Informationen zufolge könnte der 70-jährige Kopper womöglich bereits vor Ablauf seiner Amtszeit zurücktreten. Offiziell endet diese im April 2007.
Ein Sprecher von DaimlerChrysler wollte den Bericht gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren. "Der Aufsichtsratsvorsitzende wird aus dem Kreis des Aufsichtsrats gewählt", hieß es. Allerdings wird Bischoff demnächst wohl in das Gremium einziehen. Der 62-jährige wird zur Hauptversammlung am 12. April zunächst für die Wahl als einfaches Mitglied vorgeschlagen.
Bischoff war von 1995 bis 2003 Vorstandsmitglied bei DaimlerChrysler und gilt als Weggefährte des zum Jahresende zurückgetretenen Vorstandschefs Jürgen Schrempp. Derzeit sitzt er in mehreren Kontrollgremien. Beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS , an dem DaimlerChrysler rund ein Drittel der Anteile hält, ist Bischoff Aufsichtsratschef. Zudem kontrolliert er eine Reihe weiterer deutscher und internationaler Unternehmen wie Fraport, KPN und Lagardere.
Sollte Bischoff an die Spitze des DaimlerChrysler-Aufsichtsrates aufrücken, würde dieser Posten erstmals seit vielen Jahren nicht vom Großaktionär Deutsche Bank bekleidet. Der Finanzkonzern hatte seine Beteiligung an dem Autokonzern in den vergangenen Monaten auf unter fünf Prozent reduziert.
Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft derzeit gegen den amtierenden Chefkontrolleur und früheren Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper wegen eines möglichen Verstoßes gegen Insiderregeln. Der Manager soll nach Presseberichten den heutigen Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, im Sommer 2005 angeblich vorab über die Rücktrittsankündigung von DaimlerChrysler-Chef Schrempp informiert haben. Kopper bestreitet die Vorwürfe.
suc/dpa-AFX