DaimlerChrysler contra Mitsubishi: Aus Partnern werden Feinde - DER SPIEGEL
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DaimlerChrysler contra Mitsubishi Aus Partnern werden Feinde

Der Nutzfahrzeugbauer Mitsubishi Fuso hat weitere Probleme mit seinen Lkw eingeräumt. DaimlerChrysler, der an Fuso zu 65 Prozent beteiligt ist, erwägt wegen der Schlampereien eine Schadenersatzklage. Mitsubishi revanchierte sich prompt: Der Konzern gab bekannt, dass alle Stuttgarter Schützlinge ihren Schreibtisch räumen müssen.
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Tokio/Stuttgart - Zu den geschassten Managern gehören Konzernsprecher Jochen Legewie, Design-Chef Olivier Boulay und Kai Uwe Seidenfuss, bei Mitsubishi Motors (MMC) zuständig für die Produkt-Planung. Alle drei waren zuvor vom ehemaligen deutschen Konzernchef Rolf Eckrodt zu den Japanern geholt worden.

DaimlerChrysler-Sprecher Thomas Fröhlich bestritt einen Zusammenhang der beiden Ereignisse: "Es ist normal, dass einige Manager gemeinsam mit Herrn Eckrodt das Unternehmen verlassen. Andere DaimlerChrysler-Manager bleiben bei Mitsubishi", sagte er.

Eckrodt hatte nach dem Einstieg von DaimlerChrysler bei MMC im Jahr 2001 etliche DaimlerChrysler-Manager mit nach Tokio genommen und mit ihnen Schlüsselpositionen im Unternehmen besetzt. Ulrich Walker, im aktuellen Vorstand von Mitsubishi Motors für das Pkw-Geschäft zuständig, ist bislang noch auf seinem Posten.

DaimlerChrysler hatte im April überraschend bekannt gegeben, sich nicht an der notwendig gewordenen Kapitalerhöhung für den hochverschuldeten Autobauer zu beteiligen. Bei der Umsetzung des neuen Finanzplans dürfte nach der Kapitalerhöhung der Anteil der Stuttgarter von 37 Prozent auf etwas über 20 Prozent sinken.

Wöchentlicher Report an das Ministerium

Doch DaimlerChrysler hat damit noch lange nicht alle japanischen Probleme vom Hals: Mitsubishi Fuso legte heute eine Liste mit 93 zusätzlichen Mängeln an seinen Lastwagen vor. DaimlerChrysler ist an Fuso zu 65 Prozent beteiligt.

Erst im Mai hatte Fuso einräumen müssen, dass Mitarbeiter versucht hatten, technische Probleme zu vertuschen, die im Oktober 2002 einen tödlichen Unfall verursacht haben sollen. Die bei den jetzigen Ermittlungen festgestellten Fehler reichen bis in das Jahr 1992 zurück.

DaimlerChrysler erwägt nach Angaben des Mitsubishi-Konzerns deshalb eine Schadenersatzforderung. Der Stuttgarter Konzern berufe sich dabei auf Vertragsvereinbarungen im Zusammenhang mit der Übernahme des Fuso-Aktienpakets. Mitsubishi hatte sich im vergangenen Jahr von seinen Anteilen an dem Lkw-Bauer getrennt.

Wegen der Vertuschung laufen in Japan Ermittlungen gegen ehemalige und noch amtierende Manager von Fuso. Der Lkw-Bauer räumte am Dienstag ein, dass einige der 93 Mängel zu Unfällen geführt hätten, bei denen es Verletzte gegeben habe. In Presseberichten war von 21 derartigen Unfällen die Rede. Fuso kündigte Untersuchungen an, ob wegen der neuen Mängelliste weitere Rückrufaktionen nötig werden. Erst vor knapp drei Wochen hatte Mitsubishi Fuso den Rückruf von rund 180.000 Lastwagen und Bussen wegen Problemen mit der Kupplung angekündigt.

Die Bekanntgabe der Mängelliste fällt zusammen mit einer Ankündigung des japanischen Verkehrsministeriums, wonach Mitsubishi Motors und Mitsubishi Fuso verpflichtet werden, einmal pro Woche die Behörden über Fortschritte bei ihrer Suche nach Fahrzeugdefekten auf dem Laufenden zu halten. "Es scheint eine unbestreitbare Tatsache zu sein, dass bei Mitsubishi ein Problem nach dem anderen auftaucht", erklärte Minister Nobuteru Ishihara.