DaimlerChrysler Erwartungen weit übertroffen
Stuttgart - DaimlerChrysler hat im dritten Quartal einen überraschend hohen Betriebsgewinn erwirtschaftet und wird an den eigenen Ergebniszielen trotz der Anschläge vom 11. September festhalten.
Der Konzern teilte am Dienstag in Stuttgart mit, im dritten Quartal sei der bereinigte operative Gewinn um 23 Prozent von 540 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 666 Millionen Euro gestiegen. Analysten hatten im Schnitt mit 338 Millionen Euro gerechnet, die Spanne reichte von 130 Millionen Euro bis 540 Millionen Euro.
Weltweit wurden im Berichtszeitraum eine Million Autos abgesetzt. Bei Chrysler lag der Umsatz wegen geringerer Fahrzeugauslieferungen mit 14,6 Milliarden Euro um vier Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Der Verlust habe sich auf 267 Millionen Euro verringert. Im Geschäftsfeld Nutzfahrzeuge ging der Absatz auf 119.000 Einheiten zurück. Der Umsatz erhöhte sich um sechs Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. Der operative Gewinn habe wegen der Verluste bei Freightliner mit 18 Millionen Euro unter Vorjahresniveau gelegen.
Zum Ausblick teilte DaimlerChrysler mit, nach den Anschlägen in den USA und der so ausgelösten Unsicherheit sei der Ausblick für den Rest des Jahres schwieriger geworden. "Trotz der Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen strebt der DaimlerChrysler-Konzern für das Jahr 2001 einen Operating Profit ohne Einmaleffekte an, der im unteren Bereich der im Februar angekündigten Bandbreite von 1,2 bis 1,7 Milliarden Euro liegen sollte", hieß es.
Lesen Sie hier, wie sich Analysten im Vorfeld der DaimlerChrysler-Zahlen zur Situation des Unternehmens geäußert haben.
Zuvor hatten sich Analysten zu DaimlerChrysler überwiegend skeptisch geäußert. "DaimlerChrylser ist stark abhängig von seinem Nordamerika-Geschäft. Das bereitet mir Sorgen", sagte beispielsweise eine Analystin vom Bankhaus Merck Finck in München. Besonders Chrysler habe im Kielwasser der Terroranschläge vom 11. September und im Branchenvergleich "massiv geschwächelt - viel stärker als die Mitbewerber Ford und GM". Eine Besserung sei mittelfristig nicht zu erwarten.
Chrysler selbst hatte für September einen Umsatzrückgang von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat bekannt gegeben. Die Analystin betrachtet die Aktien des Konzerns inzwischen als "Underperformer" (Aktien werden sich im Vergleich zum Index um mindestens fünf Prozent schlechter entwickeln).
Nachfrage wird schwach bleiben
Die aktuelle Nachfrageschwäche werde nach Einschätzung von M.M. Warburg auch im nächsten Jahr nicht nachlassen. Es sei unwahrscheinlich, dass die Chrysler-Werke schon 2002 wieder die Gewinnzone erreichen, schrieben die Analysten.
"Insbesondere das gesunkene Verbrauchervertrauen unmittelbar vor den Terroranschlägen am 11. September betrachten wir als Indiz für einen länger anhaltenden Rückgang der US-Autokonjunktur", lautete ihre Begründung. Die Aktien des Konzerns stuften sie daher von "Kaufen" auf "Halten" herunter. Rückendeckung bekamen sie am Donnerstag von Merrill Lynch. Die Experten sagen Chrysler für das laufende Jahr einen Verlust von drei Milliarden Euro voraus.
"Mercedes-Benz kein Rettungsanker"
Noch einen Schritt weiter gingen die Experten von UBS Warburg. Die schlechte konjunkturelle Lage auf dem Fahrzeugmarkt belaste nicht nur das Chrysler-Ergebnis, sondern könne auch die Gewinnziele von Mercedes-Benz in Mitleidenschaft ziehen, gab Analyst Ralf Kugelstadt zu bedenken. Sein Haus habe die Aktien daher auf "Reduce" (Reduzieren) herunter gestuft und nenne ein Kursziel von 32 Euro. Tritt diese Voraussage ein, erwartet die Anleger gegenüber dem Kurs vom 12. Oktober ein Abschlag von mehr als sechs Euro.
Freightliner bleibt Sorgenkind
Zu den konjunkturellen Problemen von Chrysler gesellt sich nach Schätzung von Merck Finck noch ein Verlust in Höhe von einer Milliarde Dollar bei der Nutzfahrzeugtochter Freightliner. Nach Angaben des DaimlerChrysler Finanzvorstands Manfred Gentz soll er jedoch unter der Milliardenschwelle liegen. In der kommenden Zeit wird sich die Belegschaft von momentan rund 16.000 um weitere 2.700 Arbeitsstellen reduzieren, sagte DaimlerChrysler-Sprecher Michael Behrens. Um einen weiteren Stellenabbau zu verhindern, hatte sich die Freightliner-Belegschaft mit Gehaltskürzungen einverstanden erklärt.
Die Marke Mercedes-Benz war von vielen Marktteilnehmern bislang als das Zugpferd des Konzerns betrachtet worden. Im September hatte die PKW-Sparte noch ein Absatzplus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Die Markteinführung des neuen Nobel-Modells Mercedes SL soll die Nachfrage nach der Luxusmarke wieder ankurbeln, hoffen die Stuttgarter.
Die Analystin von Merck Finck bleibt da skeptisch: "Mercedes-Benz ist zwar das einzige, was sich derzeit vernünftig verkauft. Aber um die Defizite im Rest des Konzerns auszugleichen, ist die Marke viel zu klein. Ein Rettungsanker ist sie nicht."