DaimlerChrysler: Fonds-Boss fordert Schrempps Rücktritt - DER SPIEGEL
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DaimlerChrysler Fonds-Boss fordert Schrempps Rücktritt

Die Manager großer Aktienfonds schießen sich immer mehr auf DaimlerChrysler-Boss Jürgen Schrempp ein. Erst übte DWS-Mann Kaldemorgen wegen des Mitsubishi-Desasters harsche Kritik, jetzt tat es ihm Deka-Fondsmanager Schneider gleich. Er fordert den Rücktritt Schrempps.
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Frankfurt am Main - Der Rückbau der Welt AG macht Jürgen Schrempp immer mehr zu schaffen. Über die öffentliche Häme, die immer allerorten entgegenschlägt, mag der Erfolgsverwöhnte Auto-Boss noch hinweg sehen, aber inzwischen sägen auch Insider an seinem Stuhl.

Der Direktor der Fondsgesellschaft Deka Investment, Michael Schneider sagte dem "Handelsblatt", Schrempp müsse die Konsequenzen aus dem fehlgeschlagenen Mitsubishi-Engagement ziehen. Das habe der Konzernchef einst auch von seinem Vorgänger Edzard Reuter verlangt.

Das Unternehmen habe in den vergangenen fünf Jahren 40 Milliarden Euro Börsenkapitalisierung verloren. "Natürlich kann man da die Frage stellen, ob derjenige, der das zu verantworten hat, daraus die Konsequenzen ziehen soll. Meine persönliche Antwort darauf lautet: Ja", wurde Schneider zitiert. Zugleich begrüßte Schneider die Entscheidung von DaimlerChrysler: "Es ist der richtige Schritt in die richtige Richtung. Besser es passiert spät als nie".

Auch der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, übte heftige Kritik am DaimlerChrysler-Chef. "Schrempp ist stark angeschlagen", zitierte ihn der Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Der Rückzug von Mitsubishi sei das Ende von Schrempps Vision, einen Weltkonzern zu schmieden. "Schrempp steht unter gewaltigem Druck und arbeitet jetzt nur noch daran, seine eigene Reputation zu retten", wurde Hocker weiter zitiert. Ob der Manager es schaffe, bis 2008 - dem Auslaufen seines Vertrags - im Amt zu bleiben, sei fraglich.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet von einem Treffen des DaimlerChrysler-Aufsichtsrates am kommenden Donnerstag in New York. Dabei soll es um eine neue Asien-Strategie sowie um die Zukunft von Schrempp gehen.

DWS-Manager Klaus Kaldemorgen hatte schon bei der Hauptversammlung vor zwei Wochen Schrempps Fehleinschätzungen bei Mitsubishi gerügt. Es sei zu befürchten, dass die problematischen Entwicklungen bei Chrysler und Mitsubishi Motors den Konzern insgesamt gefährden, warnte er damals. Der Vorstand habe das Vertrauenskonto der Anteilseigner deutlich überzogen. "Stets hat das Frühwarnsystem bei DaimlerChrysler   versagt", klagte Kaldemorgen.

Kritik am bisherigen Management von Mitsubishi kam vom Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer. Es sei ihm unbegreiflich, wie der Schrempp-Vertraute und Mitsubishi-Manager Rolf Eckrodt die Risiken so lange habe ignorieren können, sagte er dem "Tagesspiegel". Dudenhöffer glaubt allerdings nicht, dass sich DaimlerChrysler tatsächlich von der Idee der Welt AG verabschiedet.

Aus aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Mitsubishi-Präsident Eckrodt, der im Sommer in den Ruhestand geht, ist offenbar der Manager von Mitsubishi Heavy Industries, Yoichiro Okazaki, im Gespräch. Dies berichtete die japanische Zeitung "Mainichi". Die japanischen Hauptgesellschafter von MCC - neben Mitsubishi Heavy Industries auch die Mitsubishi-Handelsgesellschaft und Bank of Tokio-Mitsubishi - hatten einen neuen Sanierungsplan innerhalb eines Monats angekündigt. Der Plan soll unter Leitung Okazakis ausgearbeitet werden.