DaimlerChrysler: Friedenssignale in Sindelfingen - DER SPIEGEL
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DaimlerChrysler Friedenssignale in Sindelfingen

Im Streit um Lohnkürzungen bei DaimlerChrysler wird eine Einigung wahrscheinlicher. Nachdem Vorstandschef Jürgen Schrempp einen Gehaltsverzicht der Manager angeboten hat, zeigt sich der Betriebsrat gesprächsbereit, Gewerkschafter bezeichnen die Vorschläge der Chefs dagegen als Taktiererei.
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Stuttgart - Schrempp sagte der "Welt am Sonntag", er rechne "in Kürze" mit einer Einigung. Auch Erich Klemm, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von DaimlerChrysler, äußerte sich zuversichtlich: "Es gibt Punkte, wo man sich schon sehr aufeinander zubewegt hat", sagte er.

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" soll eine Einigung schon in den nächsten Tagen erzielt werden. Die durch die Proteste bei Mercedes bedingten Produktionsausfälle könnten durch Samstagsarbeit wieder ausgeglichen werden, sagte ein DaimlerChrysler-Sprecher der Zeitung. Konzernvorstand Jürgen Hubbert sagte dem SPIEGEL, er sei "optimistisch, dass wir uns einigen". Zur Forderung des Betriebsrats, auch der Vorstand des DaimlerChrysler-Konzerns müsse seinen Beitrag zu den Sparmaßnahmen leisten, sagte Hubbert: "Daran soll es nicht scheitern."

"Irgendwie ein unsauberes Spiel"

Mehreren Medienberichten zufolge sind die Vorstände von DaimlerChrysler bereit, auf zehn Prozent ihres Gehalts zu verzichten, sollte es zu einer Lösung im Streit um Einschnitte für die Mitarbeiter kommen. Den Berichten zufolge will der Vorstand dem Betriebsrat in den Verhandlungen ein entsprechendes Angebot vorlegen. DaimlerChrysler-Sprecher Thomas Fröhlich bestätigte, dass es ein Angebot zum Gehaltsverzicht gebe, wollte aber über Prozentsätze keine Angaben machen.

IG-Metall-Vizechef Bertold Huber gab sich angesichts der Vorschläge skeptisch. Dies sei der Versuch, "Kosmetik zu betreiben, die Wogen zu glätten", sagte er heute im Westdeutschen Rundfunk. Das nehme aber den aktuellen Problemen nicht die Schärfe. Ohnehin sei dieses Angebot nicht zu vergleichen mit den gesamten Sparplänen: Die Manager bekämen bei einem Einkommensverzicht vielleicht zwei oder drei Millionen Euro zusammen. Auf der anderen Seite steht laut Huber weiter die Forderung an den Daimler-Betriebsrat, Einsparungen von 500 Millionen Euro zu akzeptieren. "Also irgendwie ist das alles ein unsauberes Spiel. Das ist Taktiererei", sagte der Gewerkschafter.

Ver.di-Vizechefin Margret Mönig-Raane bezeichnete das Verhalten der Manager von DaimlerChrysler gegenüber der "Berliner Zeitung" als heuchlerisch. "Es wird von den Arbeitgebern probiert, wie weit die Grenzen bei der Arbeitszeit, bei der Entlohnung, hinausgeschoben werden können", so Mönig-Raane. "Wenn dem nicht jetzt energisch entgegengesteuert wird, dann prophezeie ich, haben wir in fünf Jahren die 50-Stunden-Woche in Deutschland", sagte sie.

Schlechtere Bedingungen für Kantinenpersonal

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" will Klemm einen Tarifvertrag für Dienstleister vorlegen, wonach die Arbeitnehmer in Kantinen, Druckereien und im Werksschutz künftig schlechter bezahlt werden als die Metaller in der Automobilfertigung. Die Verhandlungen zwischen Gesamtbetriebsrat, IG-Metall und der Konzernführung sollen am Dienstag fortgesetzt werden.

Im Werk Sindelfingen blieben nach Angaben des Betriebsrates am Samstag erneut die 12.000 Mitarbeiter der Frühschicht zu Hause. Weil der Betriebsrat seine Zustimmung zu Überstunden verweigerte, konnten dort abermals etwa 1000 Fahrzeuge nicht hergestellt werden. Im Werk Untertürkheim verweigerten 2500 Beschäftigte die Arbeit.

Die Auseinandersetzungen bei DaimlerChrysler hatte Mercedes-Chef Hubbert angestoßen. Er hatte mit der Verlagerung von 6000 Arbeitsplätzen aus Sindelfingen hauptsächlich nach Bremen und nach Südafrika gedroht, sollten die Arbeitnehmer nicht einem Sparprogramm im Umfang von insgesamt 500 Millionen Euro zustimmen. Ein Kernpunkt ist die Verlängerung der effektiven Arbeitszeit, die in Baden-Württemberg laut DaimlerChrysler derzeit deutlich kürzer ist als in Bremen.