DaimlerChrysler Klagen häufen sich
Stuttgart/New York/Hamburg - Ehemalige Aktionäre der Chrysler Corp. Haben zwei weitere Klagen gegen die DaimlerChrysler AG, Stuttgart, und den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp vor einem US-Bezirksgericht in Delaware eingereicht. Wie die beteiligten Kanzleien am Dienstag mitteilten, wird in den Einreichungen, die einen Sammelklagen-Status, so genannte "Class-Action", anstreben, DaimlerChrysler vorgeworfen, US-Wertpapiergesetze verletzt und bei der Fusion im Jahr 1998 falsche Angaben gemacht zu haben.
Weiter hieß es von den Klägeranwälten, Daimler-Benz habe vor der Fusion versichert, dass das Chrysler-Management bei einer Fusion unter Gleichen die Kontrolle über das Chrysler-Geschäft behalten werde. Wolf Haldenstein Adler Freeman & Herz LLP, eine der beteiligten Kanzleien, beschuldigt DaimlerChrysler, den Ersatz des Chrysler-Managements durch Manager von Daimler-Benz schon immer beabsichtigt zu haben.
Das Anwaltsbüro Milberg, Weiss, Bershard und Hynes machte in New York für seine Mandanten geltend, dass die Fusion seinerzeit falsch dargestellt und die wahren Bedingungen vom Daimler-Benz-Management 1998 nicht bekannt gemacht worden seien. Die Anteilseigner seien getäuscht worden, die Chrysler-Aktionäre hätten ihre Anteilsscheine damals einer Aufforderung des Managements folgend in DaimlerChrysler-Papiere eingetauscht.
Am Dienstag hatte der US-Milliardär Kirk Kerkorian gegen den Automobilkonzern und Schrempp Klage erhoben. Mit ähnlichen Betrugsvorwürfen hatte Kerkorian als Eigner der Investmentgesellschaft Tracinda und drittgrößter DaimlerChrysler-Aktionär seine Klage begründet. Kerkorian fordert neun Milliarden Dollar Schadenersatz und eine gerichtliche Anordnung zur Rücknahme der Fusion. Die seit Monaten bröckelnde DaimlerChrysler-Aktie büßte daraufhin weiter an Wert ein. In welcher Höhe die neuen Kläger Schadenersatz fordern, wurde vorerst nicht bekannt.
Der Würzburger Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger fordert die sofortige Ablösung Schrempps und des Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper. Dem Hamburger Magazin "Stern" sagte Wenger in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview, er werde mit einigen Mitstreitern auf der nächsten Hauptversammlung des Unternehmens die Tagesordnung entsprechend erweitern lassen. Kopper habe in seiner Position versagt, während Schrempp von strategischen Unternehmensentscheidungen nicht mehr verstehe "als eine Kuh vom Sonntag".
Auch Wenger forderte die Ausgliederung und den Wiederverkauf von Chrysler an der Börse. Enttäuschten Kleinaktionären riet der Professor, ihre Bank wegen Falschberatung zu verklagen, "falls diese ihnen den Umtausch der alten Daimler-Aktien in Papiere des fusionierten Konzerns empfohlen hat".