DaimlerChrysler Kleinaktionäre greifen Schrempp an
Stuttgart - Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warf dem Vorstand vor, das strategische Ziel der Welt-AG aggressiv verfolgt zu haben, ohne die damit verbundenen Risiken zu berücksichtigen. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre sprach von einer "katastrophalen Bilanz" der Fusion von Daimler und Chrysler. Wegen der Sanierungskosten bei Chrysler und Mitsubishi erwartet das Unternehmen in diesem Jahr einen Verlust von etwa 1,7 Milliarden Euro.
Die beiden großen Vereinigungen der Kleinaktionäre beantragen wegen der ihrer Meinung nach katastrophalen Bilanz der Fusion von Daimler und Chrysler die Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat. Ähnlich argumentieren auch die Kritischen Aktionäre, die zudem erneut Menschenrechtsverletzungen und die Waffenproduktion des Konzerns anprangern. Der Verband befürchtet auch, dass der Konzern in den nächsten Jahren weitere Arbeitsplätze abbaut.
Die schlimmsten Befürchtungen seien bereits eingetreten, sagte Gerd Rathgeb von der Organisation, in der mehrere hundert Aktionäre von kirchlichen und ökologischen Gruppen organisiert sind. Rathgeb hatte schon vor drei Jahren vor einem massiven Stellenabbau gewarnt. Weitere Streichungen kämen hinzu. "Wer glaubt, dass die Ursachen der Chrysler-Krise auf hausgemachte Probleme zurückzuführen sind, denkt zu kurz." Der Traum vom ewigen Wachstum in den USA gerate zum Alptraum, und die Verbindungen mit Mitsubishi erwiesen sich als von noch größeren Risiken begleitet. Die Kleinaktionäre des Verbands hatten 1998 als einzige Organisation gegen die Fusion mit Chrysler gestimmt.
DaimlerChrysler erwartet zur Hauptversammlung in Berlin am Mittwoch bis zu 18.000 Aktionäre. Nach Ansicht von Beobachtern wird Konzernchef Jürgen Schrempp trotz aller Kritik im Vorfeld für seine Anträge wieder satte Mehrheiten erhalten - im Vorjahr lagen sie zwischen 96 und über 99 Prozent. 75 Prozent der rund eine Milliarde DaimlerChrysler-Aktien (2,6 Milliarden Euro gezeichnetes Kapital) liegen in den Händen von institutionellen Anlegern - und mit denen spricht sich ein Vorstand vor der Hauptversammlung ab. Großaktionäre sind die Deutsche Bank (zwölf Prozent) und das Emirat Kuweit (sieben Prozent).
Nach der Fusion von 1998 war zudem die Präsenz bei Hauptversammlungen des Autokonzerns von über 60 auf knapp unter 40 Prozent abgesackt. Zudem fehlen die amerikanischen Aktionäre, die 17 Prozent des Grundkapitals halten. Doch selbst wenn die Kritiker Recht bekämen, wäre die Nichtentlastung nur eine Art Misstrauensvotum der Aktionäre, das keine juristischen Konsequenzen nach sich zieht.