DaimlerChrysler Nachtsitzung soll Einigung bringen
Stuttgart - Nach Einschätzung des Konzernsprechers Thomas Fröhlich sind beide Seiten gewillt, bei ihren Verhandlungen in der Stuttgarter Konzernzentrale von DaimlerChrysler zu einem Ergebnis zu kommen. "Die Partner brauchen mehr Zeit", sagte er am Mittwochabend in Stuttgart. Für den Donnerstagvormittag kündigte Fröhlich eine Pressekonferenz an, auf der über die Ergebnisse der Sitzung zu später Stunde informiert werde.
Bis zu dieser Ankündigung hatte es zuvor trotz stundenlanger Verhandlungen nicht so ausgesehen, als sei kurzfristig eine Einigung möglich. Zu verhärtet erschienen die Positionen der Konfliktparteien. Die Knackpunkte, an denen eine Annäherung der Positionen bisher scheiterte, waren nach den Worten des IG-Metall-Sprechers Frank Stroh erstens die Höhe des Einsparvolumens und zweitens die Frage der Beschäftigungssicherung.
Die Konzernführung um Jürgen Schrempp forderte weitere Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Euro im Jahr und drohte mit dem Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen in Sindelfingen. Der Gesamtbetriebsrat bot im Gegenzug einen Plan an, der 200 Millionen Euro einsparen sollte.
Gestern hatte die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Arbeitnehmerkreise berichtet, Vorstand und Betriebsrat hätten sich darauf verständigt, ein jährliches Sparvolumen von 500 Millionen Euro erreichen zu wollen. Daran werde eine Gesamtlösung nicht mehr scheitern, sei zu erfahren gewesen.
Der stellvertretende Vorsitzende der IG Metall, Bertold Huber, hatte eine solche Einigung zuvor allerdings kategorisch ausgeschlossen. Auf einer Veranstaltung in München forderte er das Management von DaimlerChrysler auf, sein Einsparziel zu reduzieren, andernfalls sei ein positives Ergebnis der Verhandlungen nicht möglich.
An den Verhandlungen in Stuttgart sind Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, Personalvorstand Günter Fleig, Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm und der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann beteiligt.
Hart umkämpft ist nach Angaben von Arbeitnehmervertretern vor allem der Weg, wie die Einsparungen erreicht werden sollen. Während der Vorstand Spätschichtzuschläge und die so genannte "Steinkühler-Pause" von fünf Minuten je Arbeitsstunde "kategorisch" ablehne, wolle der Betriebsrat gerade für diese Arbeitsbedingungen mit Symbolwert kämpfen.
Aus Sicht der Arbeitnehmer hat sich der Vorstand auf die "Steinkühler-Pause" fixiert, obwohl die fünf Minuten für Tausende Beschäftigte in der Montage bereits seit langem mit Stillstandszeiten in der Produktion verrechnet würden. Auf der anderen Seite sei der Gesamtbetriebsrat aber optimistisch, bei Zugeständnissen der Beschäftigten eine Standortgarantie für die betroffenen Hauptwerke Sindelfingen, Stuttgart-Untertürkheim und Mannheim bis zum Jahr 2012 auszuhandeln.
Mercedes-Chef Hubbert will beim Bau der neuen C-Klasse von 2007 an in Sindelfingen jährlich 500 Millionen Euro Kosten einsparen. Andernfalls droht er damit, die C-Klasse-Produktion nach Bremen und Südafrika zu verlagern. Dies würde ein Fünftel der über 30.000 Beschäftigten im Werk Sindelfingen ihren Arbeitsplatz kosten.
Weitgehend einig sind sich beide Seiten nach Angaben aus Verhandlungskreisen über die Einführung der 40-Stunden-Woche für rund 20.000 Beschäftigte in Forschung und Entwicklung gegen Mehrbezahlung. Zudem soll ein Tarifvertrag für Dienstleister unterzeichnet werden, wonach Arbeitnehmer in Kantinen, Druckereien und im Werksschutz weniger verdienen würden als Metaller in der Autoproduktion.
Die Arbeitnehmer erwarten im Gegenzug allerdings ein sichtbares Zeichen der Solidarität vom DaimlerChrysler-Management. Nicht nur der Konzernvorstand, sondern die gesamte leitende Führungsebene mit etwa 6000 Managern soll demnach auf Gehalt verzichten, forderten Betriebsratsmitglieder. Kommt es bis Freitag zu keiner Einigung, will der Betriebsrat erneut zehntausende Beschäftigte in allen deutschen Werken mobilisieren. Klemm unterstrich diese Drohung heute erneut: "Wir haben ja angekündigt, wenn wir uns nicht verständigen, wird am Freitag die nächste große Protestwelle da sein."