DaimlerChrysler Notizen bringen Milliarden-Prozess durcheinander
Wilmington - Zu Anfang der Sitzung am Dienstag sagte Kläger-Anwalt Terry Christensen, dass er von der Gegenseite 61 Seiten handschriftlicher Notizen bekommen habe. Übergeben habe sie der ehemalige Chrysler-Finanzvorstand Gary Valade. Der Manager, der jetzt bei DaimlerChrysler für den Einkauf zuständig ist, sollte eigentlich am Dienstag als Zeuge befragt werden.
Wegen der unklaren Situation hat Richter Joseph Farnan das Gerichtsverfahren am Dienstag vorübergehend ausgesetzt. "Ich denke, dass niemand widersprechen wird, dass dies eine ernste Sache ist. Es fällt mir schwer, sofort zu beurteilen, was mit den Unterlagen ans Licht kommt."
Nach den Worten Christensens stützen die Notizen, deren Urheber noch unklar ist, die Position Kerkorians. Der Kläger-Anwalt unterstrich Aussagen wie "gewinnbringend verkaufen" und "warum haben wir nicht gekauft?". Er äußerte sich schockiert darüber, die Unterlagen erst jetzt erhalten zu haben. Daimler-Benz habe dafür mehr als zwei Jahre Zeit gehabt, sagte er.
Auf die Frage eines Reporters, warum die Dokumente erst zu diesem Zeitpunkt übergeben wurden, anwortete Chrysler-Anwalt Tom Allingham nur mit "Kein Kommentar".
In dem Prozess geht es um die Klage des US-Milliardärs Kirk Kerkorian, der DaimlerChrysler Betrug vorwirft. Der Zusammenschluss der Unternehmen sei keine Fusion unter Gleichen, wie das Unternehmen behaupte, sondern eine Übernahme durch die Deutschen gewesen. Deshalb habe ihm beim Umtausch seiner Chrysler-Aktien eine höhere Prämie auf den Aktienkurs zugestanden. Kerkorian verklagte den Konzern auf mindestens 1,2 Milliarden Dollar Schadensersatz. Der Prozess sollte ursprünglich an diesem Mittwoch mit der Zeugenbefragung zu Ende gehen, ein Urteil wurde jedoch nicht vor Mai erwartet.