DaimlerChrysler: Schrempps neue Bescheidenheit - DER SPIEGEL
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DaimlerChrysler Schrempps neue Bescheidenheit

Nach den vollmundigen Ankündigungen der vergangenen Jahre ist DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp vorsichtig geworden. Seine "Meilensteine" will er nun erst später erreichen.
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Sindelfingen - Für 2002 erwarte DaimlerChrysler   ein Betriebsergebnis, das "das Doppelte des Vorjahresniveaus sehr deutlich übertrifft. Und diese Aussage steht", sagte Schrempp auf der Bilanzpressekonferenz. Er lehnte es aber ab, die Ertragsprognosen des Unternehmens weiter zu präzisieren. "Darüber werde ich erst Ende des Jahres wieder reden", so Schrempp.

Im vergangenen Jahr betrug der Operating Profit ohne Sondereffekte 1,3 Milliarden Euro, das bedeutet einen Rückgang von 74 Prozent. Für 2002 wird nun also von deutlich mehr als 2,6 Milliarden Euro ausgegangen. Ursprünglich hatte DaimlerChrysler einen Betriebsgewinn von 5,5 bis 6,5 Milliarden Euro erwartet. Diese im Februar 2001 angekündigten "Meilensteinen" will das Unternehmen laut Schrempp "zu einem etwas späteren Zeitpunkt" erreichen.

Zur Verteidigung dieser schwammigen Aussage führte er die Konjunkturprognosen an, die im Verlauf des Jahres 2001 drastisch nach unten korrigiert wurden. Dünnhäutig reagierte er aber auf die Einschätzung eines Journalisten, DaimlerChrysler habe seine Prognosen mit dieser Aussage für 2002 halbiert. "Das habe ich doch gar nicht gesagt, sie haben mir wohl nicht zugehört", gab Schrempp zurück.

An Chrysler wird nicht gerüttelt

Die milliardenschweren Sanierungskosten für Chrysler, Freightliner und Mitsubishi haben dem Autokonzern 2001 rote Zahlen beschert. Einschließlich dieser Belastungen wies das Unternehmen ein Minus von 662 Millionen Euro aus. Im Vorjahr hatte das Konzernergebnis noch mit 7,894 Milliarden Euro im Plus gelegen. DaimlerChrysler musste auf der Bilanzpressekonferenz Gewinn- und Umsatzeinbußen für das Jahr 2001 melden. "Wir sind mit diesem Ergebnis natürlich nicht zufrieden," sagte Schrempp. Seiner Ansicht nach sind aber die Sanierungsziele erreicht. Kritik an der Fusion mit Chrysler ließ der DaimlerChrysler-Chef nicht zu: "Wir haben uns dazu entschlossen, die Probleme bei Chrysler zu lösen. Ich stehe hundertprozentig zu dieser Entscheidung. Chrysler läuft in die richtige Richtung."

Einschließlich der Restrukturierungskosten für die angeschlagene US-Sparte sowie für den Lastwagenbauer Freightliner und für Mitsubishi Motors von rund 2,7 Milliarden Euro wies DaimlerChrysler operativ ein Minus von 1,318 Milliarden Euro aus. Der Umsatz verringerte sich um sechs Prozent auf 152,87 Milliarden Euro.

Umsatzanstieg erst 2004

Die schwache Entwicklung bei Chrysler und im Nutzfahrzeuggeschäft werden DaimlerChrysler auch 2002 einen rückläufigen Umsatz bescheren. Nach Angaben der Konzernspitze ist für 2002 mit einem Erlösrückgang um sieben Prozent auf 142 Milliarden Euro zu rechnen. Allein bei Chrysler wird ein Umsatz von nur noch 56 Milliarden Euro erwartet, nochmals weniger als die 63,5 Milliarden Euro des Jahres 2001. Grund für diese pessimistische Prognose ist laut DaimlerChrysler der amerikanische Automarkt. Hier geht der deutsch-amerikanische Konzern nur noch von einem Gesamtvolumen von 15 Millionen Pkw aus, zuvor wurde noch ein Absatz von 16 Millionen Neuwagen erwartet.

Einen Umsatzanstieg erwartet DaimlerChrysler erst im Jahr 2004, dann sollen wieder rund 156 Milliarden erreicht werden. In einer ersten Marktreaktion wunderte sich ein Börsenhändler darüber, dass DaimlerChrysler schon Aussagen zum Umsatz 2004 tätigte. "Die wissen doch noch gar nicht, was im kommenden Jahr ist - was soll da eine Prognose für 2004", sagte er. An der Frankfurter Börse wurden die Zahlen jedoch positiv aufgenommen. Die Aktie verzeichnete gegen Mittag ein Plus von knapp einem Prozent und war damit unter den besten Werten im Dax.

Neue Absatzrekorde bei Mercedes

Die angeschlagene US-Sparte wies einen deutlichen Absatzrückgang von zehn Prozent und ohne Einmaleffekte einen operativen Verlust von 2,183 Milliarden Euro aus. Erwartet hatte DaimlerChrysler ein Minus von 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro. Die Kosteneinsparungen seien höher ausgefallen als angenommen, sagte Schrempp. Einschließlich der Aufwendungen für die Restrukturierung betrug das Minus 5,281 Milliarden Euro. DaimlerChrysler hatte der US-Sparte im vergangenen Jahr ein drastisches Restrukturierungsprogramm mit einem massiven Stellenabbau verordnet. Mercedes-Benz erreichte dagegen neue Rekordwerte. Weltweit wurden 1.229.700 Fahrzeuge abgesetzt, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. 116.200 Autos entfielen auf die Marke Smart.

Im angespannten Geschäftsfeld Nutzfahrzeuge sank der Absatz um zehn Prozent auf 492.900 Einheiten. Wegen der Verluste bei Freightliner verringerte sich der um Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn in dem Geschäftsfeld um 96 Prozent auf 51 Millionen Euro. Der angeschlagene japanische Partner Mitsubishi verringerte in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2001/2002 seinen Verlust um 44 Prozent auf 121 Millionen Euro.