DaimlerChrysler Schrempps neues Japan-Abenteuer
Stuttgart/Tokio - Alle Lkw-Hersteller Japans ächzen unter ihren Schulden, die Nachfrage geht zurück. Zugleich hat auf dem japanischen Nutzfahrzeugmarkt eine Konsolidierung begonnen, bei der wohl nur die zwei Stärksten überleben werden. Fuso Truck & Bus, die profitable Transportsparte der DaimlerChrysler-Beteiligung Mitsubishi Motor Company (MMC), dürfte aber nach Meinung der meisten Analysten ebenso dazu gehören wie der Toyota-Ableger Hino. Manch einer sieht Fuso gar als Perle im Mitsubishi-Konzern.
Schon seit längerem gilt es als eines der wichtigsten Unternehmensziele der Deutschen, Fuso ganz unter ihre Kontrolle zu bringen. Manche Beobachter mutmaßen gar, dass dies der eigentliche Grund dafür war, dass Daimler-Chef Jürgen Schrempp 1999 rund 37 Prozent bei Mitsubishi übernommen hat. Nun scheinen die Verträge dafür unterschriftsreif zu sein. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") berichtet am Freitag, DaimlerChrysler werde wohl noch in diesem Herbst indirekt die Mehrheit an Fuso übernehmen.
Faktische Machtübernahme
Dem "FAZ"-Bericht zufolge wollen DaimlerChrysler und MMC sich künftig zu gleichen Teilen an Fuso beteiligen. Da Daimler bereits fast zwei Fünftel der MMC-Anteile hält, hätte der Konzern damit faktisch die Macht bei Fuso übernommen. Nachdem Rolf Eckrodt im Juni zum MMC-Chef avanciert ist, gewönne die Asien-Offensive der Deutschen damit weiter an Fahrt. Ein Sprecher von DaimlerChrysler sagte zu dem Bericht aber nur: "Wir prüfen alle Optionen vom Status Quo bis zur Übernahme." Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, werde aber bis spätestens Ende des Jahres angestrebt.
Der Nutzfahrzeug-Konkurrent Volvo hatte 2001 seine 3,3-Prozent-Beteiligung an Mitsubishi Motors an DaimlerChrysler verkauft und damit den Weg für eine Kooperation zwischen Tokio und Stuttgart im Lkw-Geschäft frei gemacht. DaimlerChrysler hielt vorher bereits 34 Prozent an Mitsubishi Motors, die Partnerschaft galt aber zunächst nur für Personenwagen. Daimler hat zu früheren Zeitpunkten bestritten, an der Kontrolle über Fuso interessiert zu sein.
Drang nach Asien
Das Nutzfahrzeug-Geschäft hatte dem deutsch-amerikanischen Konzern in den letzten Jahren viel Sorge bereitet. Die US-Lkw-Tochter Freightliner, lange eine der Hauptbaustellen im Schrempp-Imperium, ist nach harten Sanierungsanstrengungen erst kürzlich aus den roten Zahlen gekommen. Auch für die restlichen Nutzfahrzeugbereich hatte der zuständige Vorstand Eckehard Cordes nach Restrukturierungen und Stellenabbau erst im Juli eine vorsichtige Entwarnung gegeben. Die Lkw-Nachfrage in Westeuropa dürfte 2002 gleichwohl um rund sechs Prozent unter der des Vorjahres liegen.
Mit dem Erwerb von Fuso gewönne Daimler eine Ausgangsbasis, um den asiatischen Wachstumsmarkt aufzurollen. Zwar ist DaimlerChrysler mit seiner Nutzfahrzeugsparte schon heute weltweiter Marktführer. Mercedes-Benz-Lastkraftwagen gelten aber in vielen Ländern des asiatischen Kontinentes als zu teuer. Auch in anderen asiatischen Ländern will DaimlerChrysler seine Präsenz ausbauen. Vorstandschef Schrempp hatte im Juni angekündigt, noch in diesem Herbst in China Verträge über Joint Ventures bei Nutzfahrzeugen zu unterzeichnen. Die Gespräche hatten sich über mehrere Jahre hingezogen. Mit dem südkoreanischen Partner Hyundai, an dem DaimlerChrysler ebenfalls beteiligt ist, gründete der Daimler bereits 2001 ein Gemeinschaftsunternehmen für den Bau von Lkw-Dieselmotoren.