DaimlerChrysler Schrempps Rückhalt schwindet
Stuttgart - Als es am Donnerstag um das weitere finanzielle Engagement beim japanischen Partner Mitsubishi ging, regte sich Widerstand - offen und ohne diplomatische Floskeln. Vor allem Mercedes-Pkw-Vorstand Jürgen Hubbert und sein für Finanzen zuständiger Kollege Manfred Gentz wandten sich gegen den Vorstandschef.
Widerspruch dieser Art war Schrempp nicht mehr gewöhnt. Einst hatte Mercedes-Boss Helmut Werner als starke Persönlichkeit die Kreise von Schrempp gestört, aber das ist lange her. Doch die Zeiten haben sich geändert: Jetzt wagen sich die Kritiker aus der Deckung - unter Führung von Hubbert und Gentz votierten weitere sechs Vorstände des Konzerns gegen eine weitere finanzielle Unterstützung von Mitsubishi.
Schrempp hatte nochmals mindestens drei Milliarden Euro nach Tokio pumpen wollen. Nach dem Veto seiner Kollegen sprach Schrempp zum ersten Mal, wenigstens verklausuliert, von Rücktritt. Auch Konzernstratege Rüdiger Grube, Rechte Hand von Schrempp, und der für Asien verantwortliche Vorstand Eckhard Cordes sollen ihre Posten zur Disposition gestellt haben.
Außerhalb des Konzerns wird die Kritik an Schrempp immer lauter. In einem Interview mit der "Welt" griff der Präsident des Maschinenbauverbands VDMA, Diether Klingelnberg, Schrempp wegen seiner strategischen Fehleinschätzungen in den vergangenen Jahren scharf an. "Bei Daimler gibt es in der Strategie ein Hin und Her: Rein und raus bei der Luftfahrt, bei der Technologie und bei der Welt AG. Solche ständigen Strategiewechsel würde es in einem Familienunternehmen nicht geben", sagte Klingenberg. Ein Familienunternehmen würde das auch gar nicht überleben, fügte der VDMA-Präsident hinzu.
Unverständlich sei ihm auch, dass Schrempp das Mitsubishi-Engagement von Daimler-Chrysler auf der Hauptversammlung verteidigt und wenig später eine Kehrtwende vollzogen habe, sagte Klingelnberg weiter.
Offiziell bestreiten Konzernsprecher zwar energisch, dass Schrempps Ablösung auf der Tagesordnung der heutigen Aufsichtsratssitzung im New Yorker Luxushotel Waldorf Astoria steht. Doch die "Financial Times Deutschland" will von Überlegungen erfahren haben, Schrempp einen Stellvertreter zur Seite zu stellen, der ihm später nachfolgen könnte.
Damit steht nicht weniger zur Disposition, als Schrempps Traum von der Welt-AG. Denn mit dem Quasi-Ausstieg bei Mitsubishi ist die gesamte Asien-Strategie des Konzerns in Gefahr. Anders als die Japaner oder Volkswagen haben Chrysler und Mercedes dort praktisch keine Bedeutung. Erst jüngst geriet Mercedes mit dem koreanischen Partner Hyundai aneinander, nachdem die Stuttgarter mit einem eigenen Pkw-Werk einen Fuß auf den chinesischen Markt setzen wollten. Hyundai hatte sich bereits zuvor mit den Chinesen auf ein Joint Venture verständigt.
Der Aufsichtsrat erwartet von Schrempp jetzt wenigstens die Umrisse des geplanten künftigen Vorgehens auf den rasch wachsenden asiatischen Märkten. "Wir müssen unsere Strategie in Asien überprüfen", hatte Gentz gesagt.
Mit dem großen Wurf rechnen Experten auf die Schnelle allerdings nicht. "Das Unternehmen weiß selbst noch nicht, wie die Strategie in Asien künftig aussieht", sagte Analyst Fredrik Westin von der WestLB. Auch der Partner in Korea droht DaimlerChrysler abhanden zu kommen. Hyundai Motor hat bereits erklärt, mit den Deutschen lieber nur noch auf lockerer Basis zusammenarbeiten zu wollen. Schrempp war über das vergangene Wochenende nach Asien gereist. Dabei habe er wohl die übrigen Partner in der Region zu beruhigen versucht, sagte HVB-Analyst Albrecht Denninghoff.