DaimlerChrysler Stühlerücken im Vorstand
Stuttgart - Der Autokonzern DaimlerChrysler plant offenbar, seinen Vorstand neu zu ordnen. Im Zuge des Wechsels an der Spitze der amerikanischen Chrysler Group soll nach offiziell nicht bestätigten Informationen der Konzernvorstand verkleinert werden. Demnach wird Vorstandsmitglied Eckard Cordes künftig den Bereich Nutzfahrzeuge übernehmen. Sein bisheriger Posten, der die Konzernentwicklung und das IT-Management umfasste, soll nicht wieder mit Vorstandsrang besetzt werden, war am Mittwoch im Umfeld des Unternehmens zu erfahren.
Am Dienstag war bekannt geworden, dass der bisherige Nutzfahrzeugchef Dieter Zetsche den Präsidenten der Chrysler Group, den Amerikaner James Holden, in Detroit ablösen soll. Chrysler leidet stark an den Überkapazitäten auf dem US-Pkw-Markt und hat im dritten Quartal einen Verlust von 540 Millionen Euro verbuchen müssen. Auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung an diesem Freitag soll das Stühlerücken im Vorstand beschlossen werden. Unternehmenssprecher Michael Pfister wollte am Mittwoch weder die Personalveränderungen noch den Termin der Aufsichtsratssitzung offiziell bestätigen.
Sollte der Aufsichtsrat das Personaltableau genehmigen, hat der Vorstand inklusive seines Vorsitzenden Jürgen Schrempp noch elf Mitglieder - darunter nur noch zwei Amerikaner. 1998, im ersten Jahr der Fusion, umfasste der Vorstand noch 17 Köpfe, darunter sieben Amerikaner. Nach der Vorstandsumbildung im September 1999 blieben noch 14 Mitglieder, darunter fünf Chrysler-Leute. Zwischenzeitlich zogen sich noch der Co-Vorstandsvorsitzende Bob Eaton und Designchef Thomas Gale aus dem Führungsgremium des Konzerns zurück. Die verbliebenen Amerikaner sind Gary Valade für die Sparte Weltweiter Einkauf und Thomas Sidlik für den Einkauf der Chrysler Group und der Marke Jeep.
Keine Konzepte erkennbar
Kritikern zufolge müsste sich DaimlerChrysler völlig neu organisieren, um die derzeitigen Probleme zu überwinden. Gegenwärtig seien keine Konzepte erkennbar, mit welchen Marken und welchen Produkten man langfristig in welchen Märkten operieren wolle, erklärte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. Nach seiner Ansicht müsste sich der Konzern hin zu einer Holding-Struktur mit den Marken Mercedes-Benz, Chrysler und smart als eigenständige Unternehmen mit voller Markt- und Markenverantwortung entwickeln. Als Vorbild nannte Diez den Volkswagenkonzern, der konsequent nach Marken organisiert sei.
Am Chrysler-Standort in Detroit gab es zur Ablösung Holdens wie erwartet überwiegend kritische Kommentare. "Man findet kein Vorbild mehr, zu dem man aufschauen kann", zitierte die Tageszeitung "Detroit Free Press" am Mittwoch einen Chrysler-Ingenieur. "In Kürze gibt es nur noch Deutsche an der Spitze". So dächten viele der 128.000 Mitarbeiter, schrieb die Zeitung.
"Zetsche war bislang sehr erfolgreich als Troubleshooter - das zeigt, dass Schrempp Chrysler wirklich in ernsten Schwierigkeiten sieht", sagte ein Analyst dem Blatt. Zetsche werde von den Chrysler-Händlern ein kühler Empfang bereitet werden, hieß es in der "Detroit Free Press". Denn die seien Holden-Fans gewesen und fragten sich, wie die deutschen Hersteller von Luxuswagen die Bedürfnisse des US-Massenmarktes verstehen könnten.
Nach den Berichten über die mögliche Ablösung des Chrysler-Chefs geriet am Mittwoch die Aktie des Konzerns an der Frankfurter Börse stark unter Druck. Am Nachmittag waren DaimlerChrysler mit einem Abschlag von über viereinhalb Prozent der schwächste Wert im Dax. Der Index für Standardwerte lag gleichzeitig mit einem guten halben Prozent im Minus.