DaimlerChrysler Zähes Ringen um Symbole
Stuttgart - Vorstand und Betriebsrat von DaimlerChrysler hätten sich darauf verständigt, ein jährliches Sparvolumen von 500 Millionen Euro erreichen zu wollen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Verhandlungskreise. Daran werde eine Gesamtlösung nicht mehr scheitern, sei aus Arbeitnehmerkreisen zu erfahren gewesen.
Der stellvertretende Vorsitzende der IG Metall, Bertold Huber, hatte eine solche Einigung zuvor dagegen kategorisch ausgeschlossen. Auf einer Veranstaltung in München forderte er das Management von DaimlerChrysler auf, ihr Einsparziel zu reduzieren, andernfalls sei ein positives Ergebnis der Verhandlungen nicht möglich.
An den Verhandlungen in Stuttgart sind Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, Personalvorstand Günter Fleig, Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm und der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann beteiligt. Sie unterbrachen ihre Gespräche am Dienstagabend. Die nächste Verhandlungsrunde, bei der auch Tarifexperten beider Seiten hinzugezogen werden, ist für Mittwochnachmittag geplant.
Hart umkämpft ist nach Angaben von Arbeitnehmervertretern noch der Weg, wie das geplante Einsparvolumen erreicht werden soll. Während der Vorstand Spätschichtzuschläge und die so genannte "Steinkühler-Pause" von fünf Minuten je Arbeitsstunde "kategorisch" ablehne, wolle der Betriebsrat gerade für diese Arbeitsbedingungen mit Symbolwert kämpfen.
Aus Sicht der Arbeitnehmer hat sich der Vorstand auf die "Steinkühler-Pause" fixiert, obwohl die fünf Minuten für Tausende Beschäftigte in der Montage bereits seit langem mit Stillstandszeiten in der Produktion verrechnet würden. Auf der anderen Seite sei der Gesamtbetriebsrat aber optimistisch, bei Zugeständnissen der Beschäftigten eine Standortgarantie für die betroffenen Hauptwerke Sindelfingen, Stuttgart-Untertürkheim und Mannheim bis zum Jahr 2012 auszuhandeln.
Mercedes-Chef Hubbert will beim Bau der neuen C-Klasse von 2007 an in Sindelfingen jährlich 500 Millionen Euro Kosten einsparen. Andernfalls droht er damit, die C-Klasse-Produktion nach Bremen und Südafrika zu verlagern. Dies würde ein Fünftel der über 30.000 Beschäftigten im Werk Sindelfingen ihren Arbeitsplatz kosten.
Weitgehend einig sind sich beide Seiten nach Angaben aus Verhandlungskreisen über die Einführung der 40-Stunden-Woche für rund 20.000 Beschäftigte in Forschung und Entwicklung gegen Mehrbezahlung. Zudem soll ein Tarifvertrag für Dienstleister unterzeichnet werden, wonach Arbeitnehmer in Kantinen, Druckereien und im Werksschutz weniger verdienen würden als Metaller in der Autoproduktion.
Die Arbeitnehmer erwarten im Gegenzug allerdings ein sichtbares Zeichen der Solidarität vom DaimlerChrysler-Management. Nicht nur der Konzernvorstand, sondern die gesamte leitende Führungsebene mit etwa 6000 Managern soll demnach auf Gehalt verzichten, forderten Betriebsratsmitglieder. Kommt es bis Freitag zu keiner Einigung, will der Betriebsrat erneut zehntausende Beschäftigte in allen deutschen Werken mobilisieren.
Auch während der Verhandlungen kam es zu Warnstreiks. Am frühen Dienstagmorgen legte die komplette Nachtschicht in Sindelfingen erneut die Arbeit nieder. Die Bänder standen deshalb für etwa eine Stunde still. Das Unternehmen geht aber davon aus, dass die Ausfälle in den kommenden Wochen wieder aufgeholt werden können.