DaimlerChrysler: Zetsche in der Zwickmühle - DER SPIEGEL
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DaimlerChrysler Zetsche in der Zwickmühle

Auf der Hauptversammlung von DaimlerChrysler am Mittwoch will Konzernchef Zetsche das Thema Chrysler-Verkauf möglichst umgehen - doch er wird nicht allen Fragen ausweichen können. Sein Handlungsspielraum schrumpft von Tag zu Tag.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - An Selbstbewusstsein hat es den Leuten vom Autozulieferer Magna noch nie gemangelt. Erst im vergangenen Herbst demonstrierten die Kanadier, dass sie in der Lage sind, ein komplettes Auto zu entwickeln und zu bauen. Einer staunenden Journalistenschar präsentierte der Vorstand ein grell orangenes Konzeptauto, ein einsitziger Sportwagen, der mit Erdgas betrieben wird und bis zu 200 km/h erreichen soll.

Was ursprünglich als Werbebotschaft insbesondere für die anspruchsvolle Kundschaft aus der Automobilindustrie gedacht war, könnte jetzt, vor dem Hintergrund eines möglichen Chrysler-Verkaufs auch ganz anders interpretiert werden - etwa: "Wir wüssten schon, welche Autos Chrysler bauen müsste, um am Markt erfolgreich zu sein."

Eine Version, die gar nicht so weit hergeholt scheint: Schließlich zählt der Magna-Konzern zu den Interessenten, die ein Gebot für Chrysler abgegeben haben.

Wenig schmeichelhaft für Zetsche

Für einen werden die Verhandlungen in jedem Fall unangenehm: für DaimlerChrysler-Boss Dieter Zetsche. Denn im Grunde lässt der Entschluss, sich von der chronisch defizitären US-Tochter zu trennen nur zwei Schlussfolgerungen zu - und beide sind wenig schmeichelhaft für Zetsche:

  • Version 1: Die Entscheidung im Frühjahr 1998, eine Fusion mit Chrysler einzugehen war von Anfang an falsch. Daimler-Benz und Chrysler, das konnte nicht funktionieren. Zu unterschiedlich sind die Modellpaletten, die Kundengruppen und die Firmenkulturen. Zwar war es der damalige Konzernchef Jürgen Schrempp, der den Megadeal einfädelte, doch Zetsche trug zu dieser Zeit bereits Verantwortung im Konzern.

  • Version 2: Die Visionäre von der Welt AG Recht haben Recht, die Fusion von Daimler und Chrysler war sinnvoll und richtig. Dann aber stellt sich die Frage: Warum verkaufen? Fehlen dem Daimler-Vorstand Phantasie und Durchsetzungsfähigkeit, um Chrysler zu sanieren? Dann verstünden also - vorausgesetzt es kommt zum Abschluss - ein Teilezulieferer und ein Finanzinvestor mehr von Autos als der Boss der weltweit renommiertesten Automarke?

Immerhin hat der drohende Ansehensverlust Zetsche nicht davon abgehalten, das Notwendige zu veranlassen. Doch spätestens seitdem er im Februar am Rande der Detroit Motor Show die Möglichkeit eines Verkaufs von Chrysler ins Spiel brachte, schrumpft sein Handlungsspielraum von Tag zu Tag. In Zeitungen und Fernsehen nehmen die Spekulationen über mögliche Interessenten kein Ende, der beinahe täglich steigende Börsenkurs liefert ohnehin genug Anlass, das Thema aufzugreifen und in all seinen Facetten auszubreiten.

Handlungsspielraum schrumpft von Tag zu Tag

Zwar mühte sich die Kommunikationsabteilung des Konzerns nach Kräften, die Hysterie in der Öffentlichkeit zu dämpfen, um ihrem Boss Handlungsfähigkeit zu sichern. Doch von den Gebetsmühlenartig formulierten Aussage, man wolle sich alle Optionen erhalten, ist inzwischen kaum mehr als eine Möglichkeit übrig geblieben: Der Verkauf.

Spätestens morgen auf der diesjährigen Hauptversammlung in Berlin wird Zetsche mit den Forderungen direkt konfrontiert werden. Zahlreiche Investoren, Kleinanleger und Anlegervertreter werden die Abspaltung fordern. Sowohl die Investmentgesellschaften SEB und DWS, als auch Union Investment, die Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken haben bereits öffentlich Stellung bezogen. Der Würzburger Aktionärsschützer Ekkehard Wenger hat sogar schon offiziell den Antrag gestellt, dem Konzern wieder seinen alten Namen Daimler-Benz zu geben.

Ironischerweise tragen die wütenden Rufe nach einem Schlussstrich dazu bei, dem Daimler-Vorstand die Verkaufsverhandlungen zu erschweren. "Stellen Sie sich vor, Sie verkauften einen Gebrauchtwagen und jeder wüsste, dass Sie ihn unbedingt loswerden müssen", erklärt ein Experte, der bereits einige Verhandlungen für Unternehmensverkäufe geführt hat. "Jeder halbwegs ausgeschlafene Käufer wird die Chance nutzen, den Preis zu drücken."

Wie viel vom optimalen Verkaufspreis verloren gehe, bleibe natürlich reine Spekulation, ergänzt der Berater. Es gebe jedoch bei solchen Transaktionen jede Menge Details, über deren Bewertung man trefflich streiten könne. "Die bisher genannten Interessenten gehören jedenfalls nicht zu denen, die dafür bekannt sind, Geld zu verschenken."

Kleiner Gewinn möglich

Immerhin: In der Stuttgarter Konzernzentrale glaubt man nach Informationen der "WirtschaftsWoche" sogar noch einen kleinen Gewinn beim möglichen Verkauf der US-Tochter erzielen zu können. Dem Bericht zufolge soll die Entscheidung über die Zukunft von Chrysler bereits in der kommenden Woche fallen. Direkt nach Ostern treffe sich in New York ein Team unter der Leitung von DaimlerChrysler-Strategievorstand Rüdiger Grube mit potenziellen Käufern, heißt es in der Online-Ausgabe des Magazins.

In Stuttgart wiegelt man dagegen ab. Zunächst gelte es, die Angebote zu sichten, lautet dort die offizielle Erklärung. Danach müssten noch die Verträge ausgehandelt werden, das könnte Monate dauern.

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