DaimlerChrysler: Zetsche rebelliert offen gegen Bernhard-Absetzung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

DaimlerChrysler Zetsche rebelliert offen gegen Bernhard-Absetzung

Die Zeiten, in denen der Vorstand von DaimlerChrysler nach außen hin als ein Club von Freunden auftrat, sind unwiderruflich vorbei. Mit unverblümter Offenheit hat jetzt Chrysler-Chef Dieter Zetsche die überraschende Abberufung des designierten Mercedes-Pkw-Chefs Wolfgang Bernhard kritisiert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sindelfingen - Auf die Hintergründe des überraschenden Karriere-Endes Bernhards bei DaimlerChrysler   angesprochen, reagierte Chrysler-Chef Zetsche äußerst unwirsch: "Fragen Sie Dr. Hubbert", blaffte er in die runde der Journalisten, die ihn am Rande eines Technologie-Symposiums in der Konzernzentrale in Stuttgart Sindelfingen danach fragten.

Er selbst zeigte sich wenig begeistert von dem Prinzenmord: "Die Leute bei Chrysler und ich sind enttäuscht über diese Entwicklung". Über diesen Ausgang sei niemand im Konzern glücklich gewesen. "Er ist ein sehr guter Freund von mir", sagte Zetsche über den 43 Jahre alten Bernhard, der bis vor kurzem als zweiter Mann bei Chrysler gearbeitet hatte. Das Scheitern von Bernhard bedeute aber nicht, dass Chrysler-Manager im Konzern nicht Karriere machen könnten.

Bernhard, der zum 1. Mai die Führung der Mercedes Car Group übernehmen sollte, war vom Aufsichtsrat am vergangenen Donnerstag überraschend abberufen worden. In Unternehmenskreisen wird erwartet, dass er DaimlerChrysler bald verlassen wird. Der 64-jährige Hubbert soll nun bis zum Ablauf seines Vertrages im April 2005 im Amt bleiben. Dennoch will DaimlerChrysler nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen rasch auf die Suche nach einem Nachfolger für den Chefposten bei Mercedes gehen. Hubbert und Betriebsratschef Erich Klemm hatten sich kritisch über Bernhards Pläne mit dem Aushängeschild des Konzerns und dessen Mitarbeitern geäußert.