»Das ist wie nach einem Krieg« - DER SPIEGEL
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ASIENKRISE »Das ist wie nach einem Krieg«

Von Thomas Jungbluth
• aus DER SPIEGEL 3/1998
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Klaus Kaldemorgen, Fondsmanager bei der Deutschen Gesellschaft für Wertpapiersparen (DWS), über die Börsen in Ostasien

SPIEGEL: Hat Sie der Börsencrash in Ostasien überrascht?

Kaldemorgen: Wir haben die Probleme in Thailand frühzeitig registriert und darauf reagiert. Aber ein solcher Dominoeffekt, bei dem eine Volkswirtschaft nach der nächsten kippt, war nicht vorhersehbar.

SPIEGEL: In Indonesien hat sich die Währung innerhalb von Tagen im Wert halbiert. Übertreiben die Börsianer und Devisenhändler?

Kaldemorgen: Das ist in der Tat dramatisch. Der Marktwert aller Aktien in Ostasien liegt mittlerweile unter dem Marktwert der britischen Firmen. Die ganze Börse in Malaysia kostet nur noch soviel wie die Allianz, die in Indonesien soviel wie Mannesmann. Und die Aktien in Südkorea, immerhin die elftgrößte Volkswirtschaft der Welt, sind mittlerweile billiger als die von der Deutschen Telekom.

SPIEGEL: Geht es jetzt wieder aufwärts?

Kaldemorgen: Das ist wie nach einem Krieg, wenn alles zerstört ist. Diese Länder werden irgendwann wieder hochkommen. Offen ist aber, wie schnell. Die Menschen sind sparsam, gut ausgebildet und fleißig. Es gibt aber noch große Risiken: Hält der Hongkong-Dollar? Macht China mit beim Abwertungswettlauf? Bekommen die Länder Geld für fällige Neuinvestitionen?

SPIEGEL: Eine Börsenregel lautet: Kaufen, wenn die Kanonen donnern. Soll man jetzt in Asienfonds einsteigen?

Kaldemorgen: Das muß jeder Anleger für sich entscheiden. Wer jetzt einsteigt, muß bereit sein, vorübergehend auch weitere Verluste einzukalkulieren. Man braucht schon einen längeren Horizont.

SPIEGEL: Wie sieht angesichts der Krise die Strategie Ihres Hauses für die Asienfonds aus?

Kaldemorgen: Wir versuchen, die Unternehmen in der Region herauszufiltern, die die Krise überleben werden, wie etwa ein Telekom-Unternehmen in Indonesien. Solche Werte haben das größte Aufwärtspotential, wenn sich der Rauch verzogen hat. Wir erleben gerade, daß das internationale Kapital schnell aus einem Markt herausgeht - aber es kommt auch schnell wieder zurück. Kein Fondsmanager will den Aufschwung verpassen.

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