PROGNOSEN Das Januar-Orakel
Börsianer haben ihre eigenen Weisheiten für den Erfolg ihrer Geldanlage. Sie legen nicht alle Eier in einen Korb, und sie greifen niemals in ein fallendes Messer. Zu ihrem Erfahrungsschatz gehört auch das Januar-Orakel: Denn der Januar, so heißt es, entscheide über den Trend des Gesamtjahres. Danach wären die Aussichten für 2002 eher schlecht. Denn fast alle wichtigen Börsenindizes, ob Dow Jones, Nikkei oder Dax, weisen für den Januar Verluste aus. Doch das Orakel ist eher ein Debakel. So hat der Dax seit 1990 nur zweimal ein Januar-Minus ausgewiesen, am Jahresende stand aber fünfmal ein nega-tives Ergebnis. Hauptgrund für die meist positive Börsenbilanz am Jahresanfang sind die Versicherungen, die dann die frisch eingenommenen Beiträge ihrer Kunden anlegen. Auch die Zinsen von Staatsanleihen, die meist im Januar ausgeschüttet werden, drängen zur Anlage und treiben so die Kurse. Ein Trend lässt sich dadurch kaum ablesen. Besonders stark fiel die Abweichung im vergangenen Jahr aus, als der Dax um 5,6 Prozent anzog, aufs Jahr gesehen jedoch um durchschnittlich 1,82 Prozent pro Monat sank. Noch am genauesten nahm der Januar 1999 mit einem Plus von 3,15 Prozent das Ergebnis vorweg. Am Jahresende gab es ein Plus von 2,79 Prozent pro Monat.