»Das Telephon wird billiger« - DER SPIEGEL
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»Das Telephon wird billiger«

• aus DER SPIEGEL 11/1979
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Herr Minister, ist es nicht höchste Zeit, die Telephongebühren drastisch zu senken?

GSCHEIDLE: Wir haben Mitte letzten Jahres die Grundgebühr um fünf Mark gesenkt. Diese Aktion und einige andere kosteten uns 1978 rund 700 Millionen Mark, 1979 werden sie uns rund 1,6 Milliarden kosten.

SPIEGEL: Selbst nach Abzug dieses Betrages werden Sie auch 1979 einschließlich der neuen Rücklagen einen Gewinn von rund 4,5 Milliarden Mark machen. Sie müßten also die Gebühren noch erheblich tiefer senken.

GSCHEIDLE: Dosierte Gebührensenkungen sind auch künftig denkbar, wenn die Sonderkonjunktur bei der Nachfrage nach neuen Telephonanschlüssen anhält und wenn der Verlustanstieg in den defizitären Postdiensten wie Briefe und Pakete in etwa gestoppt werden kann.

SPIEGEL: Sie haben zum Jahresbeginn die Gebühren für Briefe, Päckchen und Pakete erhöht. Doch die Milliarde, die Sie mehr einnehmen, entspricht dem Betrag, den Sie einem Beschluß des Bundestages zufolge in den Bundeshaushalt buttern müssen.

GSCHEIDLE: Alle politischen Parteien im Deutschen Bundestag waren sich im vorigen Herbst einig, daß es sich um eine einmalige zusätzliche Ablieferung der Post an den Bund handelt.

SPIEGEL: Gewinne machen begehrlich. Sind Sie denn so sicher, daß die Telephonbenutzer nicht auf Dauer eine Sondersteuer zahlen müssen?

GSCHEIDLE: Die Parteien haben sich klipp und klar geäußert.

SPIEGEL: Wäre jetzt nicht die Gelegenheit günstig, auf die Einführung des ohnehin umstrittenen Acht-Minuten-Zeittakts zu verzichten?

GSCHEIDLE: Bei der Drängelei der Städte, Gemeinden und Politiker aller Parteien, so früh wie möglich den Nahdienst mit Zeittakt zu bekommen, kann von umstritten keine Rede sein.

SPIEGEL: Attraktiv ist beim Zeitakt doch nur der Nahdienst. Wie wäre es, wenn Sie mit Ihrem vielen Geld die geplante Zone von 20 Kilometern, innerhalb der man für eine Gebühreneinheit acht Minuten sprechen kann, erweitern?

GSCHEIDLE: Wenn Sie bedenken, laß ein Acht-Minuten-Gespräch -- beispielsweise von Wesel nach Dinslaken -- statt 3,68 Mark nur noch 23 Pfennig kostet, dann können Sie sich vorstellen, wie der Telephonverkehr ansteigen wird. Würden wir den Zeittakt nicht einführen, wären unvertretbar hohe Investitionen notwendig. Wir hahen gerade noch einmal die Telephonrechnungen der Probebereiche untersucht. Danach hochgerechnet, verzichtet die Bundespost bei bundesweiter Einführung des Nahdienstes auf rund 1,4 Milliarden Mark Gebühreneinnahmen.

SPIEGEL: Die Post hatte sich schon einmal gründlich zu ihren Gunsten verschätzt -- als sie nämlich die Telephongebühren zwischen 1971 und 1974 von 18 auf 23 Pfennig hochsetzte.

GSCHEIDLE: Kein Mensch konnte zu Beginn der siebziger Jahre den ungeheuren Boom bei den Telephonanschlüssen vorhersehen. Während 1974 und 1975 die jährliche Zunahme bei rund 700 000 lag, hat sie sich in den beiden letzten Jahren mehr als verdoppelt. Niemand kann uns daher zum Vorwurf machen, daß unsere damaligen Schätzungen zu niedrig ausgefallen sind ...

SPIEGEL: ... aber den Vorwurf, daß die Post nun erheblich zuviel abkassiert. Wollen Sie etwa mit der längst fälligen Senkungsmaßnahme bis zum Frühjahr 1980 warten -- ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl?

GSCHEIDLE: Solche Gesichtspunkte sind einem Politiker zwar nicht fremd. Sie bestimmen aber nicht den Ablauf.

SPIEGEL: Welche denn?

GSCHEIDLE: Ich werde noch im Herbst dieses Jahres dem Postverwaltungsrat konkrete Vorschläge machen.

SPIEGEL: Also doch. Naheliegend wäre eine Senkung des 23-Pfennig-Tarifes oder der Grund- und Installationsgebühren.

GSCHEIDLE. Wir haben ein Bündel von 200 möglichen Maßnahmen untersucht. Die von Ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen erscheinen mir nicht so sinnvoll. Vielmehr strebe ich zum Beispiel eine günstigere Abstufung der Gesprächsgebühren zwischen den einzelnen Entfernungszonen an.

SPIEGEL: Können Sie konkreter werden?

GSCHEIDLE: Ich denke beispielsweise daran, die Gesprächsgebühren für Ferngespräche in die nähere Umgebung der geplanten Nahbereiche zu senken. Sie telephonieren heute innerhalb von 50 Kilometern für 23 Pfennig 30 Sekunden lang. Nach meinen derzeitigen Überlegungen könnte die Gesprächsdauer auf 45 Sekunden verlängert werden. Allein diese Maßnahme würde unseren Kunden jährlich knapp eine halbe Milliarde ersparen.

SPIEGEL: Und ab wann kann man etwa zwischen Bonn und Köln billiger telephonieren?

GSCHEIDLE: Wahrscheinlich zu Ostern 1980.

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