Datenklau-Affäre Telekom schickt Manager in "Erholungsurlaub"
Bonn - Es sind vier Manager der Mobilfunktochter T-Mobile und ein Telekom-Manager, denen die Deutsche Telekom einen "Erholungsurlaub" empfohlen hat, sagte der neue Telekom-Vorstand für Datensicherheit, Manfred Balz, laut Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch in Bonn. Es handle sich aber nicht um Entlassungen. Beim Versuch, einen Teil der 17 Millionen verlorenen Datensätze wiederzubeschaffen, hätten die Beschuldigten Methoden angewandt, "die nicht in Ordnung sind" und die der Konzern "entschieden" ablehne, hieß es weiter. Die Mitarbeiter seien deshalb bis zur endgültigen Klärung der Vorwürfe beurlaubt worden.
Balz kündigte an, dass derartige Methoden in Zukunft bei der Telekom geächtet seien. "Beim Thema Datenschutz und Kundensicherheit nehme ich jeden Mitarbeiter des Unternehmens in die Pflicht", fügte er hinzu. Die interne Aufarbeitung der Affäre dauere an.
Der Mobilfunksparte T-Mobile wurden vor knapp zwei Jahren über 17 Millionen Kundenstammdaten entwendet. Das hatte der SPIEGEL Anfang Oktober publik gemacht. Dem Magazin lagen Datensätze mit Handy-Nummern, Adressen, Geburtsdaten und teilweise auch E-Mail-Adressen vor. Die Daten wurden zuvor bereits im Internet in kriminellen Kreisen angeboten.
In den Daten finden sich nicht nur Informationen über viele Prominente aus Kultur und Gesellschaft wie Hape Kerkeling oder Günther Jauch, sondern auch eine erstaunliche Anzahl geheimer Nummern und Privatadressen von bekannten Politikern, Ministern, Ex-Bundespräsidenten, Wirtschaftsführern, Milliardären und Glaubensvertretern, für welche eine Verbreitung ihrer Kontaktdaten in kriminellen Kreisen eine Bedrohung ihrer Sicherheit darstellen würde.
Die Daten wurden der Telekom offenbar bereits Anfang 2006 gestohlen, das Unternehmen erstattete Anzeige. Seither ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft zusammen mit dem Bundeskriminalamt. Bei Hausdurchsuchungen wurden diverse Daten beschlagnahmt. Ein Täter wurde bisher nicht ermittelt. Beim Konzern spricht man aber von einem "Vorgang, der mit höchster krimineller Energie durchgeführt wurde". Die Kunden der Mobilfunksparte ließ der Diebstahl ihrer Mobilfunkdaten derweil offensichtlich kalt: Wie ein Konzernsprecher sagte, beantragten nur 640 eine neue Handy-Nummer.
sam/AP/dpa-AFX/AFP