Dauer-Notenbanker Greenspan: Mach's noch einmal, Alan - DER SPIEGEL
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Dauer-Notenbanker Greenspan Mach's noch einmal, Alan

George W. Bush hat den 78-jährigen Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, schon jetzt für eine weitere Amtszeit nominiert. Damit versucht er, die Personalie aus der heißen Wahlkampfphase herauszuhalten.
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Washington - Seit dem 11. August 1987 ist Alan Greenspan Vorsitzender des Federal Reserve Board (Fed) - seither hat er erlebt, wie die Präsidenten Ronald Reagan, George Bush senior und Bill Clinton aus ihrem Amt schieden. Er hat zwei globale Finanzkrisen überstanden und den längsten Boom der US-Wirtschaftsgeschichte miterlebt und gestaltet.

Scott McClellan, Sprecher des US-Präsidenten, teilte nun mit, Bush habe den Fed-Chef für eine weitere vierjährige Amtszeit vorschlagen. Damit die Nominierung wirksam wird, muss nun der Senat zustimmen.

Greenspans laufende Amtszeit endet am 20. Juni. Seine erneute Nominierung war erwartet worden. Greenspan hatte bereits signalisiert, dass er für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehe. Von der Nominierung erfuhr der Notenbanker offiziell bei einem Treffen mit Bush im Weißen Haus.

Zinserhöhung noch vor der Wahl?

In einem Statement lobte Bush Greenspans bisheriges Wirken: "Alan Greenspan hat als hervorragende Arbeit geleistet", er habe weiterhin großes Vertrauen in ihn. Solide Geldpolitik habe mit dazu beigetragen, dass die US-Wirtschaft derzeit so schnell wachse wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Just da liegt das Problem. Die US-Börsen erwarten, dass die Fed angesichts wachsender inflationärer Tendenzen noch vor der US-Wahl im November die Zinsen von ihrem derzeitigen historischen Tief anheben muss. Dem Präsidenten könnte das missfallen. Auch während des Wahlkampfes von George Bush senior 1992 hatte Greenspan den Leitzins nach oben geschraubt. Der ältere Bush, heißt es in Washington, habe das dem Fed-Chef übel genommen und Greenspan für seine Abwahl mit verantwortlich gemacht.

Nächste Station Wimbledon?

In Washington gilt als sicher, dass Greenspan bis spätestens Januar 2006 auf sein Amt verzichtet. Insofern ist die erneute Nominierung für vier Jahre eine eher symbolische Geste - und ein Dankeschön Bushs an einen Parteifreund, der seine politische Karriere unter dem Präsidenten Gerald Ford begann. Im Januar 2006 läuft Greenspans 14-jährige Amtszeit als Mitglied des Federal Reserve Board ab, eine weitere Amtszeit wäre nicht möglich. Theoretisch könnte Greenspan trotzdem bis 2008 Vorsitzender der Fed bleiben - solange der US-Präsident keinen anderen beruft.

Zuletzt wurde wieder intensiver darüber spekuliert, wie lange der Notenbankchef seinen Posten behalten wird. Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry hatte sich in diesem Monat erstmals öffentlich zur Nachfolge geäußert. Er könne sich ab 2006 jemanden vom Schlage des ehemaligen US-Finanzministers Robert Rubin auf dem Posten vorstellen, sagte Kerry dem "Wall Street Journal". Rubin, der unter dem Clinton für das Finanzressort zuständig war, gehört neben Ex-Finanzstaatssekretär Robert Altmann und Investmentlegende Warren Buffet zu Kerrys Beraterteam.

Greenspan selbst sagt, er sei bei bester Gesundheit. Kürzlich hatte der Tennis-Fan im Scherz angekündigt, er wolle sich 2008 für das Turnier in Wimbledon qualifizieren.