Dax-Ausblick "3800 Punkte sind unser Kursziel"
Frankfurt am Main - Der Höhenflug des Euro könnte nach Einschätzung von Marktstrategen auch in der kommenden Woche eine Belastung für den deutschen Aktienmarkt sein. Vor allem exportorientierte Branchen wie Automobile leiden unter den Devisenturbulenzen. Am Freitag schaffte der Euro-Kurs (Chart ) erstmals in seiner Geschichte den Sprung über 1,20 Dollar und kletterte zeitweise auf 1,2015 Dollar.
Es gibt jedoch auch Profiteure vom starken Euro. Händler sehen vor allem die Deutsche Telekom im Aufwind, da sie ihre Schulden hauptsächlich in Dollar bilanziert hat.
Neben den Währungsschwankungen werden Anleger in den kommenden Tagen auch auf die anstehenden Konjunkturdaten achten, denn mit dem Abflauen der Berichtssaison mangelt es an Unternehmensnachrichten. Aber selbst bei unerwartet guten Wirtschaftsdaten dürfte sich die Erholung im Dax in Grenzen halten. "Bei positiven Konjunkturdaten fällt in letzter Zeit immer wieder auf, dass der Markt nicht so deutlich nach oben geht, wie man es erwarten könnte", sagte ein Frankfurter Börsianer.
"Sehr wichtig sind vor allem die Arbeitsmarktzahlen für November am Donnerstag", sagte der Händler. Der US-Arbeitsmarkt steht schon seit längerem im Zentrum der Aufmerksamkeit von Anlegern. Nach wie vor sei die Furcht vor einer Konjunkturerholung ohne positive Effekte auf die Beschäftigung nicht aus dem Markt gewichen, sagten Volkswirte.
Am Freitag ist der Dax nahezu unverändert auf 3745 Punkten aus dem Handel gegangen, der TecDax kletterte leicht um 0,2 Prozent auf 557 Zähler. In den USA ging der Dow Jones mit einem minimalen Plus auf 9782 Punkten ins Wochenende.
Die Angst vor weiteren Anschlägen trübt die Stimmung
Der Angst vor Anschlägen und dem starken Euro zum Trotz werden die deutschen Aktien nach Einschätzung von Strategen in den verbleibenden Wochen dieses Jahres aber noch etwas zulegen. Für eine Jahresendrallye dürfte es jedoch nicht mehr reichen.
Aktienstratege Christian Kahler von der DZ Bank sagt: "Zuletzt sind Gefahren - wie etwa die Angst vor Anschlägen, das Leistungsbilanzdefizit in den USA und der schwache Dollar - wieder stärker in den Blick gerückt. Diese Faktoren könnten zwar die Kurse durchaus nochmal belasten, aber weitgehend dürften sie in den Kursen auch schon enthalten sein."
Für das Jahresende sagt die Mehrheit der 15 von Reuters befragten Strategen einen Stand zwischen 3700 und 3900 Punkten voraus. Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin zeigt sich derweil optimistischer: "Ich gehe von einer Jahresendrallye aus und rechne mit einem fairen Wert im Dax zum Jahresende bei rund 4000 Punkten."
Einige ihrer Kollegen halten die Marke von 4000 Zählern in diesem Jahr zwar auch für erreichbar, erwarten aber für die letzten zwei Wochen des Jahres eine Konsolidierung.
Gerhard Schwarz von der HVB sagt: "Wir haben die Jahresendrallye im Prinzip schon in den vergangenen Wochen gesehen, als der Dax bis auf 3800 Punkte gestiegen ist. 3800 Punkte ist auch unser Kursziel zum Jahresende." Auf kurze Sicht fehlten die Impulse, um dem Markt deutlichen Auftrieb zu geben. Mittelfristig gebe es aber Hinweise auf eine Konjunkturerholung, was für den Aktienmarkt positiv sei.
DaimlerChrysler im Fokus der Anleger
Von Unternehmensseite erwarten Händler in der kommenden Woche keine kräftigen Impulse für den Aktienmarkt. Am Montag dürfte die Aktie von DaimlerChrysler wegen eines wichtigen Prozessbeginns in den USA im Fokus stehen. Der Investor Kirk Kerkorian fordert vor einem Bundesgericht von dem Autobauer Schadenersatz in Milliardenhöhe. Sein Vorwurf: Die Fusion zwischen Daimler-Benz und Chrysler sei nach außen als "Fusion unter Gleichen" dargestellt worden, aber von Anfang an als Übernahme durch die deutsche Seite geplant gewesen.
Porsche lädt am Mittwoch und ThyssenKrupp am Donnerstag zur Bilanzpressekonferenz ein.
Zunehmend dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) in den Vordergrund drängen. "Einen Zinsschritt erwarten wir vor dem Hintergrund der sich nur allmählich erholenden Konjunktur in der Eurozone und weiter freundlichen Inflationsperspektiven zwar in den kommenden Monaten nicht. Mittelfristig könnte der geldpolitische Kurs der EZB allerdings restriktiver als bisher ausfallen", schreibt Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Der EZB-Rat berät am Donnerstag über den bei zwei Prozent liegenden Leitzins in der Euro-Zone.