Dax im Plus Börse feiert Abu-Dhabi-Einstieg bei Daimler
Frankfurt am Main - Zwei Nachrichten sorgen am Montagmorgen für gute Laune bei Frankfurter Börsenhändlern: die Pläne von US-Finanzminister Geithner zur Entlastung der Finanzmärkte, die vor allem Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank helfen - und der Einstieg des Emirats Abu Dhabi bei Daimler .
Mercedes-C-Klasse: Daimler-Aktien legen um rund sechs Prozent zu
Foto: DDPDer Aktienkurs des traditionsreichen Autobauer kletterte am Montagvormittag zeitweise um sechs Prozent und gehörte damit ebenso zu den Gewinnern wie BMW . Der Leitindex Dax stieg um knapp zwei Prozent auf zeitweilig über 4100 Punkte, den höchsten Stand seit dem 20. Februar.
Am Sonntagabend hatte Daimler den Einstieg Abu Dhabis bekanntgegeben. Mit 9,1 Prozent steigt das Emirat zum wichtigsten Anteilseigner auf - und verweist Kuwait auf den zweiten Platz. Der Einstieg wird durch die Ausgabe neuer Aktien vollzogen. Der Deal bringe dem Konzern 1,95 Milliarden Euro, teilte Daimler mit.
"Kapitalerhöhungen können durchaus positiv sein", sagte Kepler-Analyst Michael Raab - und bei Daimler sei dies der Fall. Der Konzern erhalte mit dem neuen Großaktionär mehr Stabilität innerhalb der Eigentümerstruktur und stärke die Finanzlage. Die Position der Altaktionäre werde zwar verwässert, dies sei aber besser als eine Refinanzierung zu einem Zinssatz von acht bis neun Prozent.
Auch Alexander Neuberger von Cheuvreux kommentierte den Schritt positiv, werde doch die Eigenkapitalbasis um zehn Prozent gestärkt. Auch er sieht die Verwässerung durch geringere Refinanzierungskosten sowie die Abwendung einer möglichen Senkung des Kreditratings überlagert. Merrill-Lynch-Analyst Harald Hendrikse sieht Befürchtungen einer weiteren Kapitalerhöhung beseitigt und Daimler zudem mit der benötigten finanzielle Flexibilität ausgestattet. Auch den Einstiegszeitpunkt von Abu Dhabi hält er für bemerkenswert: "Die Kurse zyklischer Aktien finden ihren Boden, wenn es aus mit Blick auf den Unternehmensgewinn am Schlimmsten aussieht. Dieser Zeitpunkt ist unser Meinung nach jetzt erreicht und Aabar dürfte diese Ansicht teilen."
Darüber hinaus sorgte eine Branchenstudie von Goldman Sachs für positive Impulse, nachdem die Experten ihre Bewertung des Sektors auf "Attractive" anhoben. Goldman sieht für Autotitel "Licht am Ende des Tunnels" und den besten Einstiegszeitpunkt seit zehn Jahren erreicht.
Auch Aktien der Investmentgesellschaft Aabar legen zu
Der Einstieg beim Autokonzern Daimler hat sich im Emirat Abu Dhabi auch positiv auf den Aktienkurs der Investmentgesellschaft Aabar ausgewirkt. Der Kurs der Aabar-Aktien stieg am Montag um vier Prozent. Aabar, eine Tochterfirma der staatlichen Investitionsgesellschaft Mubadala, steigt aber nicht nur als Großaktionär ein, der finanziell profitieren will. Erwartet wird, dass Abu Dhabi sich nicht wie Kuwait auf die Rolle des stillen Teilhabers beschränkt, sondern mitreden will.
Die Idee, gemeinsam Elektroautos zu produzieren und Araber für hoch qualifizierte Jobs in der Automobilindustrie auszubilden, dient gleichzeitig zwei strategischen Zielen der Herrscher von Dubai: Das ölreiche Emirat bemüht sich erstens mit seiner Masdar-Umweltinitiative zur Nummer eins für saubere Technologie am Golf zu werden. Umweltfreundliche Fahrzeuge sind ein Teil dieses Plans.
Zweitens haben sich viele wohlhabende arabische Golfstaaten dem Ziel verschrieben, einheimische Fachkräfte auszubilden - mehrere europäische und US-Universitäten haben am Golf in den vergangenen fünf Jahren Filialen eröffnet. In Abu Dhabi sollen nun im Rahmen der Daimler-Beteiligung junge Leute für die Autoindustrie ausgebildet werden; es gab auch schon Spekulationen über den langfristigen Aufbau eines Entwicklungszentrums.