Dax-Reform MLP bleibt - mangels Alternativen
Frankfurt/Main - Die Aktie des Finanzdienstleisters MLP bleibt weiterhin im Deutschen Aktienindex Dax 30. Das teilte die Deutsche Börse am Dienstag in Frankfurt mit. Die Aktie war erst vor anderthalb Jahren in den wichtigsten deutschen Aktienindex aufgenommen worden. Das Papier stieg im nachbörslichen Handel um rund sechs Prozent.
Wegen des stark gefallenen Aktienkurses galt der Verbleib von MLP im wichtigsten deutschen Auswahlindex wochenlang als gefährdet. Bereits am Dienstagmittag hatte es allerdings nach Angaben von Händlern Spekulationen gegeben, dass die Aktiengesellschaft doch im Dax bleiben könne, weil es keinen geeigneten Nachfolger gebe.
Im Tagesverlauf war die Aktie des Heidelberger Finanzdienstleisters um 2,43 Prozent auf 8,43 Euro gestiegen. Händler verwiesen auf die geringen Umsätze. Die Kursgewinne seien auf spekulative Käufe von Kleinanlegern zurückzuführen. "MLP interessiert hier keinen mehr", sagte ein Marktteilnehmer. Es handele sich um das "verbrannte Kind" im Dax.
Beiersdorf-Hoffnungen wurden enttäuscht
Als heißester Anwärter für den Platz von MLP hatte der Körperpflegespezialist Beiersdorf gegolten. Doch gegen den Hamburger Nivea-Hersteller sprechen offenbar Unklarheiten über die künftige Eigentümerstruktur.
Beiersdorf gilt seit langem als Übernahmekandidat. Dax-Kandidaten müssen nach Börsenwert (Aktienzahl multipliziert mit dem Kurswert) und nach Handelsumsatz der Aktie mindestens zu den 35 bedeutendsten Aktien gehören. Der MLP-Börsenwert lag zuletzt jedoch nur auf Rang 50.
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Zur Begründung für die Entscheidung, den Dax 30 unverändert zu lassen, sagte ein Sprecher der Deutschen Börse: "In der Zusammensetzung wird es aktuell keine Änderungen geben, da es keinen Aufnahmekandidaten gab, der mit Blick auf die Indexkontinuität die nötige Sicherheit für eine Entscheidung aufwies."
In den erstmals auch für ausländische Unternehmen geöffneten MDax der mittleren Werte schaffte es die Aktie des die Aktie des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS sowie drei weitere Firmen aus dem Ausland.
MDax wird von 70 auf 50 Werte verkleinert
Unterhalb des Dax werden die Indizes verkleinert, für ausländische Firmen geöffnet und nach Branchen sortiert. Künftig gibt es den MDax und den SDax für Unternehmen klassischer Wirtschaftszweige wie Auto, Pharma oder Finanzen sowie den TecDax für Technologiefirmen. Der TecDax ist der Nachfolger des Neuen-Marktindex Nemax 50, der nur noch bis 2004 berechnet wird. Der MDax wird von 70 auf 50 Werte verkleinert.
Der Aktie des europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmens EADS gelang dagegen problemlos der Sprung in den MDax für mittelgroße Unternehmen klassischer Branchen. EADS und die mittlerweile in Dublin ansässige Staatsfinanzierungsbank Depfa sowie Thiel Logistik und Teleplan gehören zu den ersten Aktiengesellschaften mit Sitz im Ausland, die in den MDax gelangen.
Warum die Indizes so wichtig sind
Um in einen Index zu kommen, müssen Aktiengesellschaften die Zulassung für die Börsenoberliga "Prime Standard" besitzen. Für dieses Segment gelten besonders strenge Regeln, wie beispielsweise Quartalsberichte. Mehr als 370 Firmen hatten einen entsprechenden Antrag gestellt. Alle übrigen werden in den "General Standard" sortiert, in dem das gesetzliche Minimum gilt.
Wechsel in den wichtigen deutschen Indizes bewegen Milliarden-Beträge, da viele Fonds und Indexzertifikate sich in ihrer Anlagepolitik am Dax orientieren. Nach Schätzung einer US-Investmentbank hängen allein am Dax rund 27 Milliarden Euro.
Außerdem genießen Index-Mitglieder ein deutlich größeres Interesse seitens der Investoren. "Für Absteiger gilt dagegen das Motto 'Aus den Augen, aus dem Sinn'", so ein Fondsmanager.