Dax: WM beflügelt Aktienhandel - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Dax WM beflügelt Aktienhandel

Die WM gibt dem Aktienmarkt kräftig Schub: Erstmals seit dem Jahr 2001 ist der Dax zeitweise wieder auf über 6000 Punkte geklettert. Beflügelt wurde der Handel durch positive Nachrichten von Adidas. WM-Fanartikel, so der Sportproduktehersteller, verkauften sich viel besser als erwartet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Zunächst waren es die optimistischen Prognosen von Herbert Hainer, die die Anleger in Kauflaune versetzten. In einem Interview mit dem "Tagesspiegel" hatte der adidas-Salomon  -Chef von einem überaus erfreulichen Geschäft im Vorfeld der Fußball-WM berichtet. Fußbälle, Trikots und andere WM-Artikel hätten sich weit besser verkauft, als ursprünglich kalkuliert, sagte er. "Wir sind mehr als zufrieden und werden alle unsere WM-Ziele übertreffen". Dies belegten auch die Zahlen zum ersten Quartal, ergänzte er und bestätigte zugleich den Ausblick für das Gesamtjahr. Dies gelte selbst unter der Voraussetzung, dass die Geschäfte des jüngst übernommenen US-Konkurrenten Reebok sich schlecht entwickelten.

Hinzu kamen die guten Nachrichten von den Börsen in Asien. Beflügelt von einem positiv aufgenommenen Tankan-Bericht hatte die Tokioter Börse am Montag fest geschlossen. Der Nikkei  gewann bis Handelsende 1,6 Prozent auf 17.333 Punkte - den höchsten Schluss seit Juli 2000. Der breit gefasste Topix stieg um 1,5 Prozent auf 1.755 Zähler.

In einem solchen Umfeld kauft man gern. Gleich zu Handelsbeginn auf dem Parkett in Frankfurt am Main wagte der Dax   den Sprung über die 6000-Punkte-Marke, kletterte zeitweise bis auf 6008 Punkte pendelte sich schließlich bis zum Mittag bei 6005 Zählern ein - ein Plus von 0,6 Prozent. Inzwischen verlor der Index wieder ein paar Punkte und notiert knapp unter der magischen Marke.

Nach dem schwungvollen Auftakt setzten sich die die Papiere von MAN   an die Spitze. Die Titel des Mischkonzerns kletterten um 2,5 Prozent auf 58,72 Euro. "Die Studie von JP Morgan ist klar die Antriebsfeder für den Kurs", hieß es von Händlern. Die Analysten hatten MAN unverändert als "Top-Pick" eingestuft. Das Anlageurteil laute weiter "Overweight" und das Kursziel liege bei 55 Euro. Allerdings könne die erwartete Margenverbesserung die Aktie bis auf 61 Euro nach oben treiben.

Aktionäre honorieren Breuer-Rücktritt

Titel der Deutschen Bank   legten in Reaktion auf den Rücktritt von Rolf Breuer von der Spitze des Aufsichtsrates 0,9 Prozent auf 95,09 Euro zu. Vorstandsmitglied Clemens Börsig soll Nachfolger von Breuer werden. Dieser zieht die Konsequenzen aus dem andauernden Rechtsstreit mit dem früheren Medienunternehmer Leo Kirch und gibt sein Amt auf. Merrill Lynch   bestätigte die Titel in einer ersten Reaktion mit "Buy" und das Kursziel bei 114 Euro. Der Rücktritt und die Benennung Börsigs als Nachfolger seien eine gute Nachricht für die Aktionäre.

Volkswagen   gewannen 1,1 Prozent auf 63 Euro. Dem Autobauer ist mit der in Shanghai konzipierten Passat-Variante Lingyu laut Presseinformationen ein Stopp des Marktanteils-Verfalls in China gelungen. Der VW-Anteil an den Gesamtverkäufen hat sich nach Informationen der "Financial Times Deutschland" aus Unternehmenskreisen in den ersten beiden Monaten des Jahres bei gut 16 Prozent stabilisiert bei leichtem Aufwärtstrend.

Der Kaufrausch blieb aber nicht allein auf die Werte im Dax beschränkt. Aktien von Schwarz Pharma   setzten sich mit einem Plus von 3,2 Prozent auf 68,50 Euro an die MDax-Spitze. Die Deutsche Bank hatte nach den positiven Lacosamid-Ergebnissen das Kursziel erneut von 75 auf 80 Euro angehoben und die Einschätzung "Buy" bestätigt. Die Umsatzschätzungen für den Wirkstoff seien um 25 Prozent auf 645 Millionen Euro erhöht worden.

Aktien der Merck KGaA   legten 0,7 Prozent auf 79,01 Euro zu. Der Pharmakonzern hat eine erweiterte Zulassung für das Krebsmittel Erbitux erhalten. Das Medikament könne nun in allen Staaten der Europäischen Union sowie Island und Norwegen bei fortgeschrittenem Hals- und Kopfkrebs in Kombination mit Strahlentherapie eingesetzt werden, teilte Merck am Morgen mit. Erbitux ist der größte Hoffnungsträger der Krebssparte des Traditionskonzerns. Das Medikament ist bereits in 53 Ländern zur Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs zugelassen.

Dass der Aufschwung ein jähes Ende finden könnte, glauben nur wenige. Bislang habe die Börse trotz der hohen Kurssprünge besonnen reagiert, sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz. "Die Situation ist nicht vergleichbar mit der zur Zeit des neuen Marktes." Die Kurse seien von den guten Unternehmenszahlen und Übernahmen getrieben. "Daher besteht auch nicht die Gefahr eines massiven Einbruchs." Mit kleineren Verschnaufpausen müssten die Anleger aber rechnen.

mik/vwd, dpa