Debatte um Steueroasen: Monaco kämpft um sein Image - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Debatte um Steueroasen Monaco kämpft um sein Image

Es ist sein erster Staatsbesuch in Deutschland - und prompt muss sich Fürst Albert II. von Monaco mit dem leidigen Thema Steuerhinterziehung herumschlagen. Nach der Liechtenstein-Affäre geraten auch andere Zwergstaaten in die Defensive.
Von Corinna Kreiler
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Die Steueroase ist aufblasbar. Ein blaues Kissen mit Palme. Drei junge Frauen mit dunklen Sonnenbrillen räkeln sich auf dem Gummi, mit Sektgläsern in der Hand. "Na dann lassen wir es uns mal gut gehen mit unseren gesparten Steuern," sagt eine und hebt ihr Glas. "Prost", sagen die anderen.

Hinter ihnen halten zwei Männer ein Plakat: "Liechtenstein, Monaco, Schweiz - Steueroasen trockenlegen" steht darauf. Passend zum Besuch des monegassischen Fürsten Albert II. haben sich die Aktivisten der globalisierungskritischen Organisation Attac vor dem Bundeskanzleramt aufgebaut.

Im Inneren will der Fürst von Monaco Kanzlerin Angela Merkel davon überzeugen, dass Monaco, anders als Liechtenstein, keine Steueroase ist. Das Fürstentum gab sich schon im Vorfeld kooperativ. Der Finanzplatz Monaco müsse "mustergültig" sein, hatte der Fürst beschwichtigt. "Das Fürstentum ist seit mehreren Jahren bestrebt, seinen Bankenstandort den internationalen Regeln anzupassen."

Merkel nahm das wohlwollend auf. Sie forderte den Fürsten zwar auf, dass Monaco die Grundsätze der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei der Besteuerung beachte. Doch insgesamt verlief der Empfang durchaus freundlich. Der Fürst sagte einen besseren Informationsaustausch bei der Verfolgung von Steuerbetrug, Geldwäsche und Korruption zu. In den nächsten Tagen würden Einzelheiten geklärt, hieß es.

Mit ihren zurückhaltenden Forderungen ging Merkel mit dem monegassischen Fürsten deutlich milder um als mit Liechtensteins Regierungschef Otmar Hasler. Dem hatte die Kanzlerin bei seinem Staatsbesuch in der vergangenen Woche eine Standpauke gehalten und mehr Transparenz in Sachen Steuerhinterziehung gefordert.

Trotzdem: Auch für Albert war der Auftritt in Berlin heikel. Es war sein erster Staatsbesuch in der Bundesrepublik. Der Termin stand schon lange fest, und eigentlich wollte sich der Fürst für seine fortschrittliche Umweltpolitik feiern lassen. Doch seit Tagen diskutiert Deutschland über Steuersünder und darüber, wie man die Oasen austrocknen könne - und da geraten nach der Liechtenstein-Affäre auch andere Zwergstaaten schnell in Verdacht. Albert kam an dem Thema also nicht vorbei.

Monaco, das ist der Treffpunkt der Schönen und Reichen - und natürlich ist es ein Steuerparadies. Einkommensteuer und Steuern auf Kapitalerträge sind unbekannt in dem kleinen Fürstentum an der Côte d'Azur. Auf zwei Quadratkilometern befinden sich Filialen von rund 40 Banken. In Monaco leben rund 1000 Deutsche, das Fürstentum verwaltet nach eigenen Angaben ein Vermögen von rund 90 Milliarden Euro. Allerdings gibt es in Monaco keine Stiftungen und Briefkastenfirmen, da nur Einwohner des Fürstentums von den Vergünstigungen profitieren.

Die OECD zählt Monaco wie Liechtenstein zu den "unkooperativen" Steueroasen. Das Fürstentum fühlt sich jedoch zu Unrecht getadelt: "Es ist unfair, dass Monaco auf der Liste steht", sagte der monegassische Finanzminister Gilles Tonelli in Berlin.

Er war extra in die Hauptstadt gereist, um die Werbetrommel zu rühren. Nicht für den Steuerstandort Monaco, sondern für den Wirtschaftsstandort.