Dell-Interview: "Es ist nicht genug für alle da" - DER SPIEGEL
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Dell-Interview "Es ist nicht genug für alle da"

Wird Dell als Gewinner aus der derzeitigen Krise hervorgehen? SPIEGEL ONLINE sprach mit Mathias Schädel, Geschäftsführer von Dell Deutschland und Vice President Central Europe, über die PC-Branche.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr Schädel, Dell hat im dritten Quartal weltweit mehr PCs verkauft, der Umsatz ist jedoch zurückgegangen. Macht Ihnen der momentane Preiskrieg zu schaffen?

Schädel: Aus unserer Sicht ist das kein Preiskrieg. Denn das hieße, wir nähmen es in Kauf, Geld zu verlieren, um Marktanteile zu gewinnen. Das ist bei Dell nicht der Fall. Wir sind die einzigen in der Branche, die profitabel sind - und zwar in allen Produktbereichen. Das Problem haben unsere Mitbewerber, deren Kostenstrukturen nicht stimmen.

SPIEGEL ONLINE: Was erwarten sie für das Weihnachtsquartal?

Schädel: Das kann man noch nicht genau sagen. Die Oktoberdaten zeigen einen positiveren Trend für Zentraleuropa. Ob es im vierten Quartal allerdings wieder ein positives Wachstum gibt, wissen wir noch nicht. Aber selbst wenn das Quartal passabel ausfallen sollte: Der Preisdruck bleibt bestehen und es ist nicht genug für alle da. Das spiegelt sich dann in einem hohen Margendruck wider.

SPIEGEL ONLINE: Dell schreibt schwarze Zahlen. Aber das generelle Problem der Branche, nämlich die weiter fallenden PC-Preise, schmälern doch auch ihren Gewinn.

Schädel: Da müssen sie zwischen dem Consumer-Bereich und anderen Sparten unterscheiden. Im Consumer-Segment hat in Europa langfristig noch nie jemand Geld verdient. Dell macht aber beispielsweise in Deutschland weniger als zehn Prozent seiner Umsätze in diesem Bereich. Der Rest sind Geschäftskunden, die Server und Speicherprodukte kaufen. Hier sind die Margen deutlich höher. Außerdem verkaufen wir ja nicht nur Hardware, sondern immer auch den Service dazu. Auch da sind die Margen attraktiver als bei PCs.

SPIEGEL ONLINE: Dell gilt als extrem schlankes Unternehmen. Können sie ihre günstige Kostenstruktur halten, wenn sie mehr Service anbieten?

Schädel: Auch bei den Serviceleistungen haben wir strukturelle Vorteile, weil wir direkt mit unseren Kunden reden und sie kennen. Dadurch können wir sehr viel E-Support anbieten - 70 Prozent aller Probleme werden per Ferndiagnose gelöst. Das hilft uns, die Kosten unten zu halten.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Vorstandsvorsitzender Michael Dell hat als strategisches Ziel einen Marktanteil von 40 Prozent genannt. Wie soll der erreicht werden?

Schädel: Es wird eine deutliche Konsolidierung geben. IBM hat sich aus dem Einzelhandel verabschiedet, Gateway hat sich aus Europa zurückgezogen. Viele kleinere Anbieter sind bereits verschwunden. Jene, die übrig bleiben und über ein überlebensfähiges Geschäftsmodell verfügen, werden Markanteile gewinnen. Dell hat noch nie so schnell soviel Marktanteile gewonnen wie jetzt, in der Krise. In den USA haben wir dieses Jahr sieben Prozent zugelegt ….

SPIEGEL ONLINE: ... in Europa sind sie aber nicht so stark ...

Schädel: ... das ist richtig, dennoch glauben wir, dass es möglich ist, die 40 Prozent zu erreichen. Hewlett-Packard (HP) hat es schließlich auch geschafft. Bei Laserdruckern und einigen anderen Produkten hat HP einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent. Außerhalb der USA, wo wir nur 30 Prozent des Umsatzes erwirtschaften, haben wir sicherlich noch Nachholbedarf. Deshalb konzentriert sich Dell jetzt auch stärker auf Europa und speziell auf Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: Treibt ihnen die Fusion von HP und Compaq eigentlich Kunden in die Arme?

Schädel: Auf jeden Fall, aus mehreren Gründen. Erstens kommen jetzt jene Kunden auf uns zu, die nicht nur von einem Lieferanten abhängig sein wollen. Zweitens überschneiden sich die Produktpaletten von HP und Compaq um mehr als 80 Prozent. Da kann sich jeder ausrechnen, dass mindestens die Hälfte der Produktlinien nach der Fusion sterben wird. Wenn sie heute eine strategische Entscheidung für eine Plattform treffen, die es im kommenden Jahr vielleicht nicht mehr gibt, denken sie über Alternativen nach.

Das Interview führte Thomas Hillenbrand