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MANAGER Denkt weiter

Der Aufsichtsrat will einen neuen Mann in den Daimler-Vorstand schicken: Conti-Chef Helmut Werner. *
• aus DER SPIEGEL 18/1987
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Gelegentlich kam sich Helmut Werner schon wie ein »Sklave der Autoindustrie« vor: Als Chef des Reifenherstellers Continental bekam er den Preisdruck der großen Abnehmer zu spüren.

Bald kann er sich selbst als Sklaventreiber versuchen: Werner soll in den Vorstand von Daimler-Benz einziehen.

Der Aufsichtsratschef bei Conti und Daimler, Alfred Herrhausen von der Deutschen Bank, will Werners Rollenwechsel vorschlagen. Der Conti-Mann soll zunächst das Ressort Materialwirtschaft übernehmen, das derzeit noch vom Vorsitzenden Werner Breitschwerdt kommissarisch verwaltet wird;

der zunächst vorgesehene Peter Sanner leidet an den Folgen eines schweren Autounfalls. Mit Werner wäre der Daimler-Vorstand wieder komplett - gelöst sind die Führungsprobleme damit nicht.

Gespannt warten die Manager auf die nächste Entscheidung, die Alfred Herrhausen und seine Aufsichtsratskollegen spätestens Ende dieses Jahres treffen müssen: Es geht um den Vertrag des als führungsschwach geltenden Vorsitzenden Breitschwerdt, der am 1. Dezember 1988 ausläuft. Die Entscheidung könnte den Vorstand endgültig entzweien. Wird Breitschwerdts Vertrag noch einmal um fünf Jahre verlängert, bleibt Unruhe nicht aus.

Schon jetzt, so ein Breitschwerdt-Kollege, glichen Vorstandssitzungen »eher einer Farce«. Es fehle an klarer Führung. Niemand wisse zudem, ob das, was heute entschieden wird, auch wirklich so bleibt oder schon bald, unter einem anderen Vorsitzenden, wieder geändert werde.

Mit der geplanten Berufung von Werner jedenfalls hat Herrhausen Breitschwerdts Position keineswegs gestärkt. Der Vorsitzende selbst hatte den Leiter der Konzernplanung Jürgen Hubbert als Vorstand für Materialwirtschaft vorgeschlagen. Hubbert ist anerkannt als einer der fähigsten Männer auf der Ebene direkt unterhalb des Vorstands.

Der Aufsichtsratsvorsitzende aber lehnte den hausgemachten Kandidaten ab - und zog den firmenfremden Werner vor, den er seit längerem kennt und schätzt. Herrhausen war es, der Werner 1981 die Führung bei Conti übertragen hatte, als der damalige Spitzenmann Carl Hahn zu VW wechselte.

Hahn hatte in den Jahren zuvor die fällige Sanierung der Reifenfirma eingeleitet. Dem zu einem kollegialen Führungsstil neigenden Werner gelang dann der Durchbruch.

Unter seiner Regie übernahm Conti den österreichischen Hersteller Semperit. Wo das Geld nicht zum Kauf von Konkurrenten reichte, sicherte er dem, Unternehmen Know-how und Absatzkanäle durch Kooperationen, etwa mit General Tire in den USA. Der Erfolg läßt sich in der Bilanz ablesen: Seit 1983 schüttet Conti wieder Dividenden aus.

Über den Nachweis des Erfolges hinaus bringt Werner einen entscheidenden Vorzug mit. Er ist mit 50 Jahren noch relativ jung. Die drei wichtigsten Männer bei Daimler, Breitschwerdt, Edzard Reuter und Werner Niefer, erreichen bald das sechzigste Lebensjahr. Herrhausen denkt offenbar bereits an die Zeit nach ihrer Pensionierung.

Er zeigt damit einen Weitblick, den sein Vorgänger bei der Deutschen Bank, Wilfried Guth, in Sachen Daimler nicht immer hatte. Guth hatte 1983 nicht einen der beiden starken Männer im Vorstand - Reuter oder Niefer- zum Chef gemacht, sondern den spröden Techniker Breitschwerdt. Inzwischen hat der Aufsichtsratschef das Machtgefüge im Hause Daimler korrigiert. Niefer wurde Chef des Pkw-Bereichs, Reuter Stellvertretender Vorsitzender.

Für die Zukunft hält er sich gar drei Optionen offen: Er kann Breitschwerdts Vertrag verlängern, Werner zum Chef machen oder für eine Übergangszeit Reuter - möglicherweise im Duo mit Niefer - bestellen. Werner könnte dann beweisen, daß er die Führung übernehmen kann, wenn die beiden das Pensionsalter erreicht haben.

Um seine weitere Karriere muß sich Herrhausens Kandidat so oder so keine Sorgen machen: Werner ist auch beim Volkswagen-Konzern im Gespräch - als Nachfolger für Audi-Vorstand Wolfgang Habbel oder gar als Chef des Konzerns, wenn Carl Hahn die Altersgrenze erreicht.

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