Dennis Kozlowski Der Steuer-Geizhals
Für einen Mann, der gern seine bescheidenen Anfänge betont, ist Dennis Kozlowski erstaunlich verliebt in den Luxus. Der 55-Jährige, der sich den Weg durchs College selbst finanzierte, hat mit Leidenschaft Statussymbole angehäuft. Eine 13-Zimmer-Wohnung in Manhattan ist darunter, eine Zehn-Millionen-Dollar-Villa in Florida. Kozlowski kaufte sich mehrere Harleys und die weltberühmte Yacht "Endeavour". Leisten konnte er sich das: In den vergangenen drei Jahren hat der Mischkonzern Tyco seinen Chef mit 97 Millionen Dollar entlohnt. Jüngst aber begann Kozlowski, sich für Malerei zu begeistern, und das wurde ihm zum Verhängnis.
Denn bei seiner Bergfahrt an die Spitze hat er sich ein Mittelklasselaster bewahrt: fast pathologischen Geiz. Als Student soll er einen Kellner-Job hingeschmissen haben, weil er sein Trinkgeld mit Kollegen teilen musste. Als Kunstsammler versuchte er offenbar, mit plumpen Tricks ein paar Prozent Umsatzsteuer zu hinterziehen. Das kostete ihn seinen Job, sein Recht auf eine 100-Millionen-Dollar-Abfindung und brachte ihm eine Anklage ein. Fast täglich enthüllt die Presse weitere Peinlichkeiten. So wurden die Nebenkosten der Kozlowski-Villa aus der Konzernkasse bezahlt. Dadurch sparte der Multimillionär knapp 600 Dollar im Monat.
Als Chef des Konglomerates Tyco, das Feuerlöscher ebenso herstellt wie Medizinzubehör, verschob Kozlowski viel imposantere Summen. Mit Hunderten Akquisitionen schusterte er sein Imperium zusammen, die Konzernbilanz geriet für Analysten und Anleger zum Rätselbuch. Im Februar gab Kozlowski zu, dass er 700 Firmenkäufe für acht Milliarden Dollar nicht öffentlich gemacht hat. Seine Nachfolger müssen den hoch verschuldeten Konzern wohl wieder zerlegen. Auch der Firmensitz, von Kozlowski auf die Bermudas verlagert, wandert wohl in die USA zurück. Schlecht für die Steuerbilanz - aber gut für den Ruf.