Geldanlage Dennoch preiswert
Dänische Aktien schnitten 1972 mit etwa 90 Prozent Kursgewinn im Index ähnlich gut ab wie japanische Papiere«, kommentierte der international orientierte Münchner Beratungsdienst »Die Aktienanalyse«. Und auch das Düsseldorfer »Handelsblatt« ortete in Kopenhagen »am Rande des europäischen Börsengeschehens einen Börsenaufschwung mit japanischen Dimensionen«.
Die Kursexplosion an Kopenhagens Börse – sie domiziliert noch immer in einem zwischen 1619 und 1640 unter König Christian IV. errichteten Renaissance-Bau – hatte einen triftigen Grund: Erstmals nach 42 Jahren dürfen seit dem 2. Januar 1973 Ausländer wieder dänische Wertpapiere erwerben. In Erwartung kräftiger Auslands-Käufe hatten sich Inländer rechtzeitig mit Aktien eingedeckt und damit die Kurse hochgetrieben.
»Dänische Aktien«, so empfehlen die »Frankfurter Börsenbriefe« ihren Lesern, »sind noch preiswert.« Zwar hat sich das durchschnittliche Kurs-Gewinnverhältnis im vergangenen Jahr auf zehn bis zwölf verdoppelt, aber deutsche Aktien werden im Schnitt mit dem 16,5fachen des Gewinns bewertet. Deswegen, so meint das Frankfurter Zirkular, sei »immer noch ein beträchtlicher Spielraum« vorhanden.
Seit das Agrarland zwischen Nordsee und Sund in der Weltwirtschaftskrise 1931 seinen Kapitalmarkt vom Ausland abgekapselt hatte, war der dänische Aktienmarkt für europäische Geldleute zum Niemandsland geworden. Mit dem Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft mußten sich die Nordländer jedoch ihren in Kapitaldingen freier denkenden Partnern anpassen.
Die Furcht vor ausländischer Kapitalmacht konnten die Dänen allerdings nicht ganz ablegen. Wer beispielsweise Aktien der 1970 zur »Forenede Bryggerier« verschmolzenen weltbekannten Brauereien »Tuborg« und »Carlsberg« oder Anteile an »Den Kongelige Porcelainsfabrik« erwerben will, muß gegenüber der dänischen Nationalbank erklären, daß er »durch den Kauf dieser Aktien weder die entscheidende Aktienmehrheit erreicht, noch der Kauf im Rahmen eines Aufkaufes zur Erreichung der Aktienmajorität erfolgt«.
Ausländische Aktien-Käufer haben gegenüber einheimischen Spekulanten trotzdem Vorteile. Wie Dänen zahlen sie zwar 30 Prozent Dividenden-Steuer, von der 50-Prozent-Abgabe auf Spekulationsgewinne aber bleiben sie verschont. Auf Antrag erhalten Ausländer überdies den Dividenden-Obolus zurückerstattet.
Allerdings droht den Mitspielern an der Kopenhagener Börse eine andere Gefahr. Warnt das Düsseldorfer Bankhaus C. G. Trinkaus & Burkhardt: »Wirtschaftliches Hauptproblem Dänemarks in der Nachkriegszeit ist die Entwicklung der Zahlungsbilanz.« Wegen beträchtlicher Defizite, vor allem in der Handelsbilanz, droht Geldanlagen im Aquavit -Land ständig der Kater einer Abwertung der Dänischen Krone.
Abwertungs-Verluste hätten vor allem die ausländischen Käufer von festverzinslichen Werten zu tragen. Doch gerade die Geldanlage in dänischen Obligationen und Pfandbriefen verspricht guten Ertrag. Mit Renditen bis über zwölf Prozent können Bundesbürger im Hochzinsland Dänemark, das derzeit mit einer Inflationsrate von etwa sieben Prozent leben muß, den Geldwertschwund im eigenen Land mehr als ausgleichen.
Die wertmehrenden Zertifikate sind allerdings für Ausländer schwer zu erlangen, denn der dänische Staat hält die begehrten Obligationen in erster Linie für seine Bürger bereit. Für das erste Halbjahr 1973 hat er nur eine Quote von 125 Millionen Dänen-Kronen für Fremde freigegeben. Den ausländischen Käufern bietet sich hier noch ein zusätzlicher Vorteil: Zinsen wie Kursgewinne werden in Dänemark nicht besteuert.
An den hohen Zinsen im EWG-Neuland kann sich dennoch jeder Bundesbürger freuen: Er muß nur sein Geld auf ein dänisches Konto legen. Die City Bank A/S Kopenhagen lockt beispielsweise mit Schweizer Service (»Auskünfte werden an ausländische Behörden überhaupt nicht erteilt«) und bietet für Einlagen mit einjähriger Kündigung zehn Prozent Zinsen. Das von Frau Gerda Kristensen geleitete Institut, das »Seine Hoheit Prinz Gorm von Dänemark« zu seinen Beratern zählt, »gewährleistet somit volle Sicherheit und strenge Diskretion« (Werbeprospekt).
Neun Prozent Zinsen für Neun-Monats-Geld verspricht Kopenhagens Finansbanken A/S solchen Kunden, die gleichzeitig Aktionär des Geld-Instituts (Berater: Seine Königliche Hoheit Prinz Peter von Griechenland und Dänemark) werden wollen. Die Aktien bekommen ausländische Einleger zum Vorzugspreis von derzeit 900 Mark für ein Papier von nominal 1.000 Kronen.
An der Kopenhagener Börse notiert die Finansbanken-Aktie aber mit umgerechnet 1.200 Mark; für 1972 werden 13 Prozent Dividende erwartet. Allerdings darf der Käufer die Aktien drei Jahre lang nicht veräußern.
Nach Schätzungen dänischer Börsenexperten haben Ausländer in den ersten beiden Januarwochen bereits Aktien im Wert von rund 100 Millionen Dänen-Kronen (etwa 46 Millionen Mark) gekauft. Freut sich Günter Möller, Leiter der deutschsprachigen Sektion in der Auslandsabteilung der Finansbanken: »Die Reaktion auf unsere Anzeigen in Deutschland war besser als erwartet. Wir haben bereits eine zweite Auflage unserer Broschüren in Druck geben müssen.«
Wegen der guten Resonanz bei inflationsgeängstigten Ausländern setzt die Finansbanken (Werbespruch: »Wir werden es nie lassen können, unsere Aktionäre besonders zu verwöhnen«) ihren Aktien-Vorzugspreis jetzt herauf: Statt 900 Mark müssen Auslands-Aktionäre vom 1. Februar an für das Finansbanken-Papier 1.000 Mark zahlen.