Der BSE-Boom - DER SPIEGEL
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BIOTECH Der BSE-Boom

• aus DER SPIEGEL 52/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zumindest für einige Biotechnologie-Firmen hat die BSE-Krise auch ihr Gutes: Sie verdienen an der Untersuchung der Rinder. Etwa 1,6 Millionen Rinder, die älter als 30 Monate sind, müssen auf BSE getestet werden. Der Test aber kostet pro Rind rund 150 Mark - so ist über Nacht ein Markt mit einem Umsatz von 240 Millionen Mark entstanden. Am meisten profitiert davon bisher die Prionics AG in Zürich, der Marktführer bei der Herstellung von BSE-Tests zum Einsatz am geschlachteten Rind. Daneben wird in Deutschland noch das Testverfahren der US-Firma Bio-Rad Laboratories angewendet. Zusammen mit Lizenznehmern wie der Artus GmbH in Hamburg und Eurofins Scientific in Garching will Prionics die Testmöglichkeiten im nächsten Jahr an sechs Standorten auf 30 000 Tests pro Woche ausbauen - und damit den Anfangsbedarf decken. Der Aktienkurs der in Frankreich beheimateten Eurofins Scientific, die auch in der Schweiz, in Italien, Frankreich und England testet, stieg in wenigen Tagen von 25 auf über 50 Euro. Derzeitiger Stand: knapp 40 Euro. Aber nicht nur die Tester profitieren von BSE. Gefragt sind Methoden, die Krankheitserreger beim lebenden Tier und beim Menschen nachweisen können. Die Hamburger Biotech-Firma Evotec will das Anfang 2002 erreichen; Boehringer hat sich eigenen Angaben zufolge bereits ein Verfahren patentieren lassen, BSE im Blut nachzuweisen (siehe auch Seite 186). Im Herbst nächsten Jahres soll der Test marktreif sein, heißt es. Die Berliner Firma Biopsytec legt gerade in Luxemburg eine genetische Datenbank aller neugeborenen Kälber an. Die Erlanger November AG bietet 2002 ein Identifikationssystem an, das mit Hilfe von Antikörpern die Herkunftsbestimmung jedes Rindes möglich machen soll. Ende November erreichte die Aktie mit 47,03 Euro ein Zwölf-Monats-Hoch - dank BSE.

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