»Der Dollar wird stärker« - DER SPIEGEL
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Geldanlage »Der Dollar wird stärker«

• aus DER SPIEGEL 13/1994
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Straszheim, 52, ist Chefökonom des New Yorker Brokerhauses Merrill Lynch.

SPIEGEL: Die US-Zentralbank, der Federal Reserve Board, hat zum zweitenmal in knapp zwei Monaten die Zinsen um ein Viertelprozent heraufgesetzt. Will sie die gerade aufblühende Konjunktur abwürgen?

Straszheim: Nein, ganz im Gegenteil. Unsere Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um rund 3 Prozent gewachsen. Im letzten Quartal 1993 waren es sogar 7,5 Prozent. Das war zuviel. Die jetzige Zinserhöhung wird das Wachstum verlangsamen, aber nicht stoppen.

SPIEGEL: Warum muß jetzt schon wieder gebremst werden?

Straszheim: Der Federal Reserve Board ist der Ansicht, zunehmende Inflation sei das Risiko Nummer eins.

SPIEGEL: Ist die Sorge berechtigt?

Straszheim: Durchaus. Ich glaube aber nicht, daß die Geldentwertung spürbar zunehmen wird. Wir haben unsere Inflationsrate auf unter drei Prozent gebracht. Da nun eher das Risiko besteht, daß die Geldentwertung wieder zunimmt, war die Entscheidung der Zentralbank angemessen.

SPIEGEL: Steigen die Zinsen weiter?

Straszheim: Mit Sicherheit. Aber das wird erst in einigen Monaten passieren.

SPIEGEL: Wann?

Straszheim: Wohl kaum noch in der ersten Jahreshälfte. Notenbankchef Alan Greenspan geht gern langsam vor. Die Zinsen wurden über einen längeren Zeitraum in 13 kleinen Schritten gesenkt. So wird es auch beim Heraufsetzen sein. Greenspan beeinflußt die Wirtschaft lieber mit dem Dimmer als mit einem Ein- und Ausschalter.

SPIEGEL: Könnten jetzt auch die Börsenaussichten langsam verdunkelt werden?

Straszheim: Der Aktienmarkt hat sich erstaunlich gut gehalten. Mich hätte es nicht gewundert, wenn die Börse in den zurückliegenden Wochen schlechter gelaufen wäre. Die Investoren schätzen offenbar die Vorzüge der Zinserhöhung höher ein als ihre Nachteile.

SPIEGEL: Die Erhöhung von Anfang Februar hat die Investoren in helle Aufregung versetzt, die Kurse stark fallenlassen und große Unsicherheit ausgelöst.

Straszheim: Das war die erste Zinserhöhung seit 1989, und sie kam zu diesem Zeitpunkt unerwartet. Damit wurde endgültig klargemacht, daß die Zeiten fallender Zinsen zu Ende sind. Der jetzige Schritt aber war überhaupt keine Überraschung mehr.

SPIEGEL: Wie werden sich steigende Zinsen in den USA auf Europa auswirken?

Straszheim: Ich glaube kaum, daß die Wirkung auf Europa groß sein wird. Die Zinssätze werden in Europa weiter fallen, und der Dollar wird gegenüber der Mark in den kommenden zwölf Monaten stärker werden. Er könnte in einem Jahr in der Gegend von 1,80 oder 1,85 Mark liegen.

SPIEGEL: Hört mit der Zinswende in den USA die amerikanische Kritik an der Bundesbank auf, die wegen ihrer hohen Zinsen immer wieder angegriffen wurde?

Straszheim: Ich hoffe es. Die bei uns ständig wiederholte Kritik war unangemessen, und sie hat niemandem gedient. Die Bundesbank hat die Aufgabe, die Geldpolitik zu machen, die sie für richtig hält. Und sie hat die deutschen Interessen im Auge. So sollte eine Zentralbank handeln. Y

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