ÖKOSTEUER »Der geringste Schaden«
SPIEGEL: Herr Henkel, Sie fordern eine höhere Mehrwertsteuer für Energie. Wollen Sie damit eine Ökosteuer durch die Hintertür einführen?
Henkel: Keineswegs. Mir wäre es natürlich am liebsten, wir hätten gar keine Ökosteuer. Aber wenn die Regierung meint, aus ideologischen Gründen unbedingt eine Umweltabgabe schaffen zu müssen, dann würde eine höhere Mehrwertsteuer auf Energie den geringsten Schaden anrichten.
SPIEGEL: Warum?
Henkel: Die rot-grüne Ökosteuer treibt über kurz oder lang energieintensive Industrien ins Ausland, wo die Umweltauflagen weniger restriktiv sind als hier zu Lande. Das Weltklima wird dadurch nicht verbessert, aber in Deutschland gehen Arbeitsplätze verloren. Wenn wir als Ersatz für die Ökosteuer die Mehrwertsteuer für Energie anheben, werden ausländische und einheimische Anbieter gleich behandelt. Das ist für Produktion und Beschäftigung in Deutschland weniger schädlich.
SPIEGEL: Dafür müssten dann Verbraucher und Autofahrer die Zeche zahlen.
Henkel: Das ist aber auch bei der Ökosteuer so. Eine höhere Mehrwertsteuer auf Energie hätte dagegen den Vorzug, dass sie sich auf alle Konsumprodukte verteilt. Obendrein würden auch Branchen wie das Taxi- oder Speditionsgewerbe mit meinem Vorschlag besser fahren, weil sie ihre Mehrwertsteuer-Aufwendungen ja beim Finanzamt geltend machen können.