Der Markt-Forscher: Alles auf eine Karte - DER SPIEGEL
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Der Markt-Forscher Alles auf eine Karte

Zwei riesige Investitionsprojekte beherrschen die Schlagzeilen: UMTS und der Airbus A3XX. Die betroffenen Firmen spielen mit hohen Einsätzen und könnten alles verlieren.
Von Felix Asch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Englische Ausrücke sind manchmal so treffend, dass man auf eine Übersetzung verzichten möchte. "Betting the company" ist so ein Ausdruck, umschreibbar mit "die Firma aufs Spiel setzten" und eine treffende Charakterisierung der spannungsgeladenen Entscheidungen über den Airbus A3XX und die Vergabe der Mobilfunklizenzen für die neue UMTS-Technologie. In beiden Fällen kann es für die betroffenen Firmen um ihre Existenz gehen, denn die Chancen sind ebenso groß wie die Risiken.

Das Spiel um Alles oder Nichts ist beim Airbus weiter fortgeschritten. Zum einen hat allein die Aussicht auf 25 Milliarden Mark Entwicklungskosten für den Jumbo-Konkurrenten entscheidend dazu beigetragen, dass sich die europäische Luftfahrtbranche um den neuen Konzern EADS herum formiert. Zum anderen sammelt EADS seit Anfang Mai langsam aber sicher Interessenten. Inzwischen haben acht potenzielle Käufer sich in die Listen eingetragen und 60 so genannte feste Vorbestellungen abgegeben.

Doch trotz fester Kaufabsichten bleibt der A3XX ein Abenteuer, das EADS zwingt, das ganze Unternehmen auf einen Erfolg dieses Projekts zu wetten. Kaufabsichten bieten noch keine echte Sicherheit, wie Boeing schmerzlich erfahren musste, als nach dem Golfkrieg reihenweise Bestellungen storniert wurden.

Die EADS muss darauf vertrauen, dass ihre Marktabschätzungen zutreffen. Denn nur wenn das erwartete jährliche Wachstum der Passagierzahlen um fünf Prozent eintrifft und dieser Bedarf nicht durch kleinere Flugzeuge gedeckt wird, kann der A3XX zum Erfolg werden. Schlägt das Projekt fehl, und sind die Milliarden versenkt, können die EADS-Bosse nur hoffen, dass die Regierungen sie wieder mit Steuergeldern retten.

1000 Mark Anlaufkosten - vom Kleinkind bis zum Greis

Im Mobilfunkmarkt fließen die Milliarden zuerst von den Unternehmen an die Regierungen - in Form der Lizenzgebühren, die allein für Deutschland zwischen 50 und 100 Milliarden Mark ausmachen werden. Dann müssen ähnlich hohe Beträge aufgewendet werden, um die Netze auf- und auszubauen, und die laufend wachsenden Marketingkosten im Massenmarkt Mobilfunk müssen auch eingespielt werden. Teilt man diese Beträge einmal ganz einfach durch die Bevölkerungszahl Deutschlands, ergibt sich eine Summe von weit über 1000 Mark Anlaufkosten pro Einwohner, vom Kleinkind bis zum Greis. Allein diese schlichte Zahl zeigt, wie hoch die Einsätze in diesem Spiel sind.

Was steht zu erwarten? Das Damokles-Schwert UMTS-Investitionen sorgt dafür, dass die junge Mobilfunkindustrie in Kürze nur noch aus ein paar großen europäischen Spielern besteht. Wird UMTS dann kein Erfolg, ist die Auslese noch härter. Doch auch die Überlebenden werden so stark unter den UMTS-Investitionen zu leiden haben, dass eine jahrelange Durststrecke bevorsteht, bis Gewinne aus dem Netz fließen.

Wer also mit einem Unternehmen im Umfeld von A3XX oder UMTS zu tun hat, ob als Aktionär oder Mitarbeiter, muss sich bewusst sein: Es wird Poker gespielt, die Einsätze sind hoch, und alles ist auf eine Karte gesetzt.