Der Markt-Forscher: Das Ende der Bierseligkeit? - DER SPIEGEL
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Der Markt-Forscher Das Ende der Bierseligkeit?

Beck's segelt in die Arme eines Braugiganten, um fit für den Weltmarkt zu sein. Das ist schade, aber es geschieht dem Bremer Großbrauer auch irgendwie recht.
Von Felix Asch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Kopf ist es fast allen klar: Es macht nichts, wenn deutsche Unternehmen ins Ausland verkauft werden. Oft ist es das Beste, was Unternehmen und Kunden passieren kann. Britische Tankstellen und französische Stromversorger ... alles kein Problem. Aber Bier? Bier ist nun wirklich nichts für den kühl-rationalen Blick auf die ökonomischen Fakten. Deshalb sei - wider besseres effizienzorientiertes Wissen - hiermit zunächst der beschlossene Verkauf der Bremer Brauerei Beck und ihrer Marke Beck's beklagt.

Denn bei manchen der möglichen Käufer kann einem Angst und Bange werden. Anheuser-Busch zum Beispiel. Dieser Gerstensaft-Gigant aus den USA ist zehnmal größer als der größte deutsche Braukonzern und produziert grandios-komische Werbespots. Aber über sein Reis-Mais-Gebräu namens Bud Light erzählt man sich in den USA, es würde von Leuten getrunken, die zwar kein Bier mögen, aber gerne sehr oft zum Wasserlassen gehen. Wie gesagt, beim Bier wird man unfair. Bei Beck's besteht jetzt wenigsten die Hoffnung, dass die Anheuser-Truppen das Getränk unberührt lassen, uns aber vom TV-Dauerfeuer mit immergleichen Sail-away-Segelschiffen erlösen.

Die weltgrößten Brauereien

Rang Unternehmen Ausstoß* Marktanteil**
1 Anheuser-Busch, USA 158,0 12,0
2 Interbrew, Belgien 97,1 7,4
3 Heineken, Niederlande 72,0 5,5
4 Ambev, Brasilien 56,0 4,3
5 SAB, Südafrika 53,0 4,0
6 Miller, USA 53,0 4,0
7 Carlsberg, Dänemark 44,0 3,4
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.3.2001;
*in Millionen Hektolitern;**in Prozent

Die Bayerische Brau-Holding (Paulaner) hat sich schon einige Wochen vor dem Verkauf von Beck's der holländischen Heineken-Gruppe an die Brust geworfen. In beiden Fällen ging es darum, "im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können". Dort zähle, so der auch in diesem Fall unvermeidliche Tenor der Branchenexperten, nur Größe: Vertriebsmacht, Finanzmacht und Millionen Hektoliter. Selbst die Größten der deutschen Brauerzunft werden dann für zu leicht befunden.

Eigentlich eine Ironie des Schicksals: Da pflügen die Braukonzerne seit Jahren mit Marketing-Muskeln und Dosen-Macht die Brauereilandschaft um. Sponsern Boxen und Formel 1, lassen im Schatten ihrer Mega-Marken nur noch winzige Mikro-Brauereien leben und fegen mittelgroße Hersteller zu Hunderten vom Markt. Und dann heißt es plötzlich, man sei im Weltmaßstab ein Winzling, gerade noch recht als Zugangstor in den deutschen Markt und als Nischenspezialität aus Germany. Geschieht ihnen - jetzt wird es wieder unfair - gerade recht, so lieblos geschluckt zu werden.

Die größten deutschen Brauereien

Rang Name Marktanteil*
1 Holsten 11,0
2 Binding 8,7
3 Brau 6,8
4 Warsteiner 5,5
5 Krombacher 5,2
6 Bitburger 5,0
7 Gilde 3,6
8 Oettinger 3,4
9 Beck 3,4
10 Schoerghuber 3,2
Quelle: Die Welt, 12.9.2000;* in %

Denn Beck's, Paulaner & Co. sind jetzt zwar im Besitz der Spitzenreiter im globalen Hektoliter-Wettrennen. Und im Vergleich zu amerikanischem Bud-Bier sind sie echte Gaumenkitzler. In den definitiv subjektiven Ranglisten echter Biergenießer findet sich aber kein einziger Name aus den Ranglisten der größten Brauer. Die besten Gersten- oder Weizensäfte kommen aus den kleinen und mittleren Brauereien, die im Schatten von Bit und Bud ums Überleben kämpfen.

Die echten Größen heißen zum Beispiel Kneitinger, Gleumes, Unertl oder Lammsbräu. Auch Barre, Bären, Krug, Friedenfelser, Behringer, Reissdorf und vielleicht noch Wernesgrüner gehören dazu. Hundert andere könnte man noch nennen und keine davon wird je groß genug für den Weltmarkt sein. Denn "big" mag allerorten "beautiful" und wirtschaftlich sein, aber beim Bier hört der Spaß auf. Wohl bekomm's.