Der Markt-Forscher: Der nächste Unfall kommt bestimmt - DER SPIEGEL
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Der Markt-Forscher Der nächste Unfall kommt bestimmt

Die Spielzeuge der Herren Pischetsrieder und Schrempp sind schnelle Autos und Firmen in der weiten Welt. Auch das Pech klebt beiden an den Füßen.
Von Felix Asch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

VfB Stuttgart gegen Bayern München, Cannstatter Wasen gegen Oktoberfest, Daimler gegen BMW: Die süddeutsche Konkurrenz wird gehegt und gepflegt. Nirgends kommt sie so schön zum Ausdruck wie in der Konkurrenz der beiden Hersteller von Nobelkarossen. Ob Goldenes Lenkrad, Formel 1 oder Zulassungszahlen - die Nase vor dem Lieblingsgegner zu haben ist schon die halbe Miete. Momentan läuft wieder so ein Wettbewerb und wieder ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Es geht um die goldene Zitrone für die misslungenste Übernahme eines ausländischen Autoherstellers durch einen gesunden und munteren deutschen Oberklassen-Hersteller. Frappierend sind - bei aller Konkurrenz - vor allem die Parallelen.

Rückblende in das Jahr 1994: BMW übernimmt Rover, der notwendige Schritt zur Internationalisierung wird gelobt, BMW wird fürs Erste die Rolle als Übernahmekandidat los, man verspricht Eigenständigkeit für Rover und eine sanfte Integration - Vorstandschef Pischetsrieder ist ein Star. Zeitsprung in das Jahr 1998: Daimler übernimmt Chrysler, der notwendige Schritt zur Globalisierung wird gepriesen, DaimlerChrysler zu den wenigen überlebensfähigen globalen Autobauern gezählt, man will behutsam fusionieren - Jürgen Schrempp ist Superstar.

DaimlerChrysler hat von da an bis zum Auftauchen riesiger Verluste, der Ankündigung "massiver Kostensenkungen", der Entlassung des amerikanischen Chrysler-Chefs und der Einsetzung eines deutschen "Troubleshooters" nur zwei Jahre gebraucht. Bei BMW brauchte es immerhin vier Jahre, bis der Rover-Chef Hasselkus durch den Münchner Sämann ersetzt wurde und der massive Arbeitsplatzabbau begann. Dafür hatte man in der Zwischenzeit mehrere Milliarden Mark in den englischen Patienten gepumpt, was Daimler bei seinem Detroit-Abenteuer bisher vermied. Vermeiden dürfte Daimler auch, dass die Parallelen bis zu einem Verkauf von Chrysler für 10 Dollar weitergehen, denn die Stuttgarter handeln radikaler und schneller.

Die Daimler-Spitze tut gut daran, schnell durchzugreifen, denn schließlich will keiner gerne die personelle Seite dieses süddeutschen Krisen-Déjà-vus kennen lernen. Bernd Pischetsrieder blieb nämlich nach dem Wechsel an der Rover-Spitze gerade noch drei Monate auf seinem eigenen Chef-Sessel. James Holden musste als Chrysler-Boss am 18. November den Hut nehmen … das hieße dann, Jürgen … Januar …

Soweit wird es nicht kommen. Schließlich steht bei Daimler kein Königsmörder à la Reitzle bereit und auch von einem schlechten Omen ist Schrempp bisher verschont geblieben: Pischetsrieder hatte drei Jahre, bevor Rover gegen die Wand fuhr, genau dies mit einem Millionen Mark teuren Sportwagen getan. Nun können Autobosse gerne mal ein wenig Crashtest fahren, aber vielleicht nicht gerade mit dem teuersten Pferd im Stall. Also, gutgemeinter Rat Richtung Stuttgart: Hände weg von Sportwagen - und entspannt hinters Steuer eines Diesel-Smart, Herr Schrempp!