Der Markt-Forscher Falsches Spiel mit kostbarem Wasser
Bei dem indischen Mega-Event Kumbh Mela springen alle zwölf Jahre rund 70 Millionen Inder in den Ganges. Dass der Grenzwert für die Belastung mit Kolibakterien mancherorts um das 340.000fache überschritten wird, stört die meisten dabei wenig. In diesem Jahr aber haben einige Gurus angefangen, Mineralwasser zu trinken. Ihnen war - Heiligkeit hin oder her - das heimische Flusswasser nicht mehr ganz geheuer.
Seit längerem wittern Großunternehmen in Indien im Wasser das große Geschäft. Nicht zu Unrecht, den jedes Jahr verdoppelt sich der Umsatz, ein Ende des großen Dursts ist noch nicht abzusehen. Kein Wunder bei einem Milliardenvolk, von dem mehr als zwei Drittel auf dem Land leben. Sie müssen das Trinkwasser aus Flüssen, Seen und Tümpeln holen. Noch immer sterben jährlich rund eine Million indischer Kinder an Infektionen, die sie sich über verschmutztes Wasser zugezogen haben. Vielerorts gibt es weder eine funktionierende Kanalisation noch einen Hahn, aus dem sauberes Wasser kommt. Gezwungenermaßen greifen viele Inder zu Flaschen und Kanistern, um wenigstens für das Mindestmaß an Hygiene zu sorgen.
Deshalb ist um den indischen Wassermarkt längst ein heißer Kampf entbrannt. Coca-Cola, PepsiCo und Nestlé liefern sich einen ständigen Preiskrieg mit Marktführer Pale Bisleri. Der ehemalige Nestlé-Chef Helmut Maucher hat das Interesse der Konzerne einmal recht griffig so formuliert: "Wasser wird weltweit immer knapper. Deshalb wollen wir die Hand auf die Quellen halten."
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Die Unilever-Tochter Hindustan Lever, der größte Lebensmittel-Produzent im Land, hat sich für ihren Start in das große Wassergeschäft etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Mit Eseln, Kamelen und Ochsenkarren sollen die Wasserkanister zu den Familien aufs Land gebracht und verkauft werden. Während die anderen Konzerne in die Ballungsgebiete drängen, liefert Hindustan Lever frei Haus an 850.000 Geschäfte in 580.000 indische Orte. Gerne lässt man sich dabei die Expertenmeinung gefallen, dass Hindustan Lever mit dem Wasserverkauf einen Beitrag zur indischen Volkshygiene leisten wird.
Weniger erfreulich ist allerdings der Wasserkreislauf, den die Unilever-Tochter bereits in Gang gesetzt hat. Dem Unternehmen gehört seit einigen Jahren nämlich unter anderem eine Fabrik, in der bis vor wenigen Monaten Quecksilber-Thermometer hergestellt wurden. Direkt angrenzend an das Werk, dessen Produkte nach Europa, Australien und Nordamerika exportiert wurden, fließt der Fluss Pambar.
Mitarbeiter von Hindustan Lever entdeckten in der Umgebung, die unter Naturschutz steht, insgesamt rund sieben Tonnen Müll der Quecksilber-Tochter, die inzwischen zumindest zum Teil beseitigt wurden. Das Unternehmen selbst gibt zu, dass mindestens 200 Kilo Quecksilber irgendwo unter die Erde gekommen sind, Greenpeace und ehemalige Mitarbeiter sprechen gar von mehreren Tonnen. Auch am Flussufer des Pambar fanden sie nach eigenen Angaben mehrere offene Säcke mit Quecksilber.
Bodentests von indischen Behörden ergaben, dass der Grenzwert um den Faktor 800 bis 1200 überschritten wurde. Aus dem Wasser des Pambar versorgt sich unter anderem die Zwei-Millionen-Stadt Madurai. Die Bewohner sollten vielleicht besser zu Flaschen und Kanistern greifen und etwas für den Umsatz von Hindustan Lever tun.