Der Markt-Forscher: Gelber Strom und rote Zahlen - DER SPIEGEL
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Der Markt-Forscher Gelber Strom und rote Zahlen

Vor genau einem Jahr erhielt Strom seine Farbe. Yello ist die erfolgreichste Strommarke geworden. Ein wirklicher Erfolg ist Yello bisher aber nur für Stromverbraucher und Werbewirtschaft.
Von Felix Asch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wo mögen zum ersten Geburtstag von Yello-Strom die Korken geknallt haben? Bei den Konkurrenten wie RWE und e.on wohl kaum. Bei Yello selbst und der Muttergesellschaft Energie Baden-Württemberg (EnBW) ein klein wenig. Bei den Stromverbrauchern schon recht laut. Und bei den Werbeagenturen hat man bestimmt aus mehreren Magnumflaschen geschossen.

Die Werbetreibenden hatten garantiert ihren Spaß. Bis zum Auftritt von Yello war die Strombranche ein werbetechnisches Ödland. Seitdem haben Bayernwerk und PreussenElektra viele Millionen ausgegeben, um ihre Namen in ganz Deutschland einzuführen, und jetzt beginnt das Spiel mit e.on und der Farbe Rot von neuem. RWE und VEW haben weitere Millionen in den Aufbau der Marken avanza und evivo gesteckt. Was Yello in Form von Plakaten, Spots und Kolonnen von gelb-schwarzen Smarts zuschießen musste, bleibt aus gutem Grund ein Geheimnis. Effekt der Prasserei: Yello hat einen Bekanntheitsgrad von 65 Prozent der Bevölkerung erreicht, aber was genau ein "Markenstrom" sein soll, bleibt so rätselhaft wie eh und je.

Die Verbraucher können kaum klagen. Zwar haben gerade mal zwei Prozent der Haushaltskunden bisher ihren Stromversorger gewechselt, aber die Früchte des Wettbewerbs ernten auch die 98 Prozent der Nichtwechsler. Die Preise sind um 20 bis 40 Prozent unter das Monopolniveau gesunken, weil fast alle Versorger aus Angst vor Kundenverlusten ihre Preise deutlich gesenkt oder billigere Tarifvarianten ins Angebot genommen haben. Dazu hat Yello mit seiner griffigen Tarifformel 19+19 wesentlich beigetragen. Herzlichen Dank von Verbraucherseite zum Geburtstag! Glückwünsche der Konkurrenz werden sicher ausbleiben.

Wie steht es mit Yello selbst aus. Stolz verkündet man in der Kölner Zentrale, die Hälfte aller Stromkunden, die den Anbieter gewechselt haben, seien bei Yello gelandet. Gleichzeitig gibt man aber zu, die absolute Zahl gewonnener Kunden liege am unteren Ende der Prognosen. Das eigentliche Problem liegt aber darin, dass fast jeder gewonnene Stromkunde bisher ein Verlustbringer sein dürfte. Für eine Familie mit durchschnittlichem Stromverbrauch schlägt die Kilowattstunde (KWh) Yello-Strom mit insgesamt 25 Pfennigen zu Buche. Zieht man davon Erzeugungskosten, Durchleitungsgebühren, Steuern und Abgaben ab, bleiben je nach Wohnort des gelben Kunden und Einkaufspreis des Stroms höchstens zwei Pfennige pro KWh als Gewinnmarge übrig. Davon müssen dann all die Millionen für Werbeausgaben, die Verwaltung, die Abrechnung und ähnliches bezahlt werden. Neukunden zu gewinnen, ist bisher ein reines Subventionsgeschäft. Keine Frage: Gelber Strom bringt rote Zahlen.

Hoffnung auf Gewinne mit neuen Haushaltskunden bestehen für Yello und Konsorten kaum. Einmal gesunkene Preise im Wettbewerb wieder nach oben zu hieven, haben schon viele Konsumgüterhersteller vergeblich versucht. Verdient wird auf längere Sicht an den Durchleitungsgebühren für die Netze und an den alten Kunden. So bleiben nur zwei Schlüsse übrig, wenn Yello eine Zukunft haben soll. Entweder nimmt man die Verluste bewusst in Kauf, um Anbieter vom Markt zu drängen. Oder es geht gar nicht darum mit Yello-Strom Geld zu verdienen, sondern mit Yello-Gas, Yello-Wasser, Yello-Sicherheitsdienst, Yello-Telefon und - das gibt es bei der anderen EnBW-Tochter Salamander wirklich schon - Yello-Schuhen.

Nicht umsonst stellte der Yello-Chef zum Geburtstag heraus: "Yello steht für Verbraucherorientierung". Damit lassen sich vielleicht auch gewinnbringendere Produkte verkaufen. Als Stromkunden sollten wir jedenfalls auf Yello anstoßen - mit einem Glas Yello-Sekt. Der ist aber von Deinhard.