Der Markt-Forscher: Heiße Luft im "Powerhouse" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Der Markt-Forscher Heiße Luft im "Powerhouse"

Rolf E. Breuer wollte eines schaffen, Vivendi/Seagram wollen eines werden und e.on will es schon sein: Ein "Powerhouse". Wenn wir jetzt noch wüssten, was das sein soll
Von Felix Asch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Wir sind/werden das europäische/globale Powerhouse im Bereich Investmentbanking/Medien/Energie/Internet/ etc." (Nichtzutreffendes bitte streichen). Dieser Satz hat für die Ankündigung von Allianzen und Fusionen inzwischen den Status eines Textbausteins erreicht, wie bisher nur die berühmten "Synergien in x-stelliger Millionenhöhe". e.on, Vivendi/Universal, Lycos/Terra wurden allesamt als Powerhouse angekündigt und die grüne Deutsche Berater-Bank hätte das aller-power-vollste werden sollen.

Ein Powerhouse also. Bedeutet laut Webster's Dictionary: "Ein Gebäude in dem Power hergestellt wird". Produziert wird demnach Kraft oder Energie oder Macht oder alles drei zusammen. Kraft und Energie passen bei e.on natürlich besonders gut. Haufenweise Kohlekraftwerke, ein Bündel Kernkraftwerke mit ordentlicher Restlaufzeit - das ist ein Powerhouse mit Unmengen Gigawatt. Hat e.on-Chef Ulrich Hartmann das gemeint? Macht hätte sich bei einer Fusion von Deutscher und Dresdner Bank zu Genüge in den Frankfurter Power-Hochhäusern gesammelt. Die hätte sogar ausgereicht, um mehrere internationale Kommissionen zur Bankenmacht zu beschäftigen. Hat Rolf Breuer das gemeint? Und wie passt die powervolle Definition zu dem Medienbündnis Lycos/Terra? Vielleicht geht es hier ja um die Körperspannung durch unzählige Mausklicks.

Die Antwort ist wohl einfacher. Genau wie man sich bei Neugründungen oder zur Imagepflege bestens unter den kaum definierbaren Begriff New Economy flüchten kann, so kann man sich bei Zusammenschlüssen ohne Schwierigkeiten des beeindruckenden, aber dehnbaren Schlagworts Powerhouse bedienen. Für ein Powerhouse genügen offenbar wenige Eigenschaften: Eine in Grundzügen erkennbare ökonomische Logik und Größe, Größe, Größe.

Wenn eine Fusion angekündigt wird, weiß man zunächst nur, dass das neue Gebilde größer ist als die alten. Größe verhilft natürlich zu Macht (power!), gegenüber Wettbewerbern, Kunden, Lieferanten, Politik. Größe hat aber auch Schwerfälligkeit und Bürokratie im Schlepptau. Größe allein bringt Anteilseigneren, Mitarbeitern und Kunden wenig oder nichts.

Ob neu geschaffene Konzerne schneller, effizienter, rentabler, kundenfreundlicher sind als die anderen, erweist erst, wenn die Prozesse wieder rund laufen und die Kosten gesenkt sind. Im besten Fall hat man dann ein Unternehmen, das aus den Fähigkeiten seiner Mitarbeiter etwas macht, das Kapital seiner Aktionäre rentabel einsetzt, Innovationen produziert und Märkte erobert. Man kann das dann nach Belieben einen Champion, einen grandiosen Wertschaffer oder einfach ein tolles Unternehmen nennen. Dies gelingt aber bekanntermaßen bei weniger als der Hälfte aller Zusammenschlüsse.

Wer ein Powerhouse ankündigt, verspricht zunächst nur Größe. Nicht mehr und nicht weniger steckt hinter diesem modischen Begriff, der hoffentlich bald auf dem Friedhof der Schlagworte landen wird. Dort warten schon so selige Bekannte wie "Diversifikation" und "integrierter Technologiekonzern".