Der Markt-Forscher: Ihr faulen Nutzer! - DER SPIEGEL
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Der Markt-Forscher Ihr faulen Nutzer!

Die Zahl der Internetsurfer steigt und steigt, die Zahl der bevorzugten Surfreviere aber wird immer kleiner. Alles eine Frage der Bequemlichkeit?
Von Felix Asch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wie man jahrelang zum gleichen Bäcker geht oder der gleichen Zeitung treu bleibt, so bleibt man einer neuen Studie zufolge im Internet bei den immer gleichen Adressen hängen. Die von US-Bürgern insgesamt im Internet verbrachte Zeit hat sich in den letzten zwei Jahren zwar verdoppelt. Aber es sind einige wenige Top-Seiten, die den Löwenanteil der Online-Minuten an sich reißen, wie Jupiter Media Metrix, eine Internet-Marktforschungsfirma, berichtete.

Vierzehn Angebote (vor zwei Jahren waren es noch 110) bekommen 60 Prozent der Surfzeit ab und nur vier Unternehmen teilen sich die Hälfte der Onlinezeit in den USA: AOL, Microsoft, Yahoo und Napster mit all ihren Unterseiten, ihren Mail- und Downloadangeboten. Allein der fusionierte Medienkonzern AOL Time Warner hat der Studie zufolge einen Zeitanteil von über 30 Prozent, während die Nummer 14 gerade noch 0,3 Prozent erreicht. Trotz Milliarden von Internet-Angeboten erreichen die Größten zusammen einen Marktanteil, wie man ihn aus der Auto- oder Stahlbranche kennt, wo wenige weltweite Anbieter dominieren.

Die Analysten von Jupiter machen für diese Entwicklung unter anderem die zahlreichen Fusionen und Pleiten im Internet-Geschäft verantwortlich und sehen in Skalenvorteilen das Geheimnis des Erfolges - online wie offline. Skalenvorteile heißt, dass mit wachsender Größe eines Anbieters die Kosten pro Einheit sinken. Das trifft bei Internet-Angeboten natürlich besonders ins Schwarze. Die Kosten für die Erstellung einer guten Webseite, einer informativen Graphik oder eines Download-Angebots bleiben (fast) gleich, ob sie nun von hundert oder von zehntausend Besuchern angeklickt werden. Die Kosten pro Nutzer sinken mit jedem neuen Klick. Darin liegt natürlich ein Vorteil für die Größten der Branche. Diese Kostenvorteile sind aber noch nicht der entscheidende Punkt für die Dominanz einer Internet-Viererbande.

Skalenvorteile gibt es nämlich nicht nur auf Anbieterseite, sondern auch bei den Nutzern. Zum einen, weil man zum Beispiel die Napster-Software nur einmal zu laden und zu verstehen braucht, ob man dann einen oder hundert Songs damit abspeichert. Zum anderen, weil ein Programm wie das "Instant Messaging" von AOL, eine Art Mischung aus Telefonanruf und E-Mail, nur dann Sinn hat und Spaß macht, wenn es auch viele andere nutzen - je mehr, desto besser. Markennamen können dank des Wiedererkennungswertes ähnliche Auswirkungen haben. Man kann das Netzwerkeffekt oder "positives Feedback" nennen, jedenfalls ist es ein wesentlicher Grund für die überragende Stellung von AOL.

Bedenkt man nun, dass die Top-Seiten zwar die meiste Zeit binden, nach Zahl der Klicks gerechnet aber der Anteil der Top 10 oder Top 1000 rückläufig ist, dann ist klar: Der Internet-Konsument besucht zwar mehr und mehr Seiten, huscht aber bei den meisten nur eben mal vorbei. Nur wenigen Seiten gelingt es, ihn festzuhalten. Wer als Anbieter im Netz auf den breiten Markt setzt, muss also entweder Fallen stellen, in die man mit der Maus tappt, hängen bleibt und die "Einschaltquote" hochtreibt: Beispielsweise mit dem erwähnten "Instant Messaging", das nicht umsonst das nächste Schlachtfeld zwischen AOL und Microsoft sein wird. Oder er muss den Surfer mit einem grandiosen Angebot und einem tollen Markennamen davon überzeugen, immer wieder zu kommen oder gar irgendwann - oh Graus - für das Huschen zu bezahlen.