Der Markt-Forscher: Jeder ist käuflich - DER SPIEGEL
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Der Markt-Forscher Jeder ist käuflich

DaimlerChrysler fürchtet sich vor einer Übernahme. Klingt unmöglich? Nichts ist unmöglich!
Von Felix Asch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Deutsche Bank ist nicht nur größter Aktionär der DaimlerChrysler AG, sondern jetzt auch deren Abwehrreihe. Und Rolf Breuer nicht mehr nur Aufsichtsratschef, sondern auch Libero. Schon teilt er die Bankenwelt in Freund und Feind ein, wenn er verkündet, die Investmentbank J.P. Morgan Chase sei "auf unserer Seite".

Aber wer ist eigentlich der Feind? Wer könnte sich eine solche Übernahme zutrauen und wer würde sich den schlingernden Riesen DaimlerChrysler einverleiben wollen? Der erste Verdacht fällt auf die Konkurrenz. Toyota hätte genügend Gewicht an der Börse, um einen solchen Deal zu stemmen. Denn die Schwaben erreichen nur noch einen Börsenwert um die 50 Milliarden Euro, Toyota kommt fast auf das Dreifache. Noch scheint es unvorstellbar, dass ein japanischer Konzern als Käufer im Übernahmetheater der globalen Autoindustrie auftritt. Aber Hand aufs Herz: Wer hätte sich 1997 wirklich vorstellen können, dass ein schwäbischer Hersteller gemütlicher Diesel-Limousinen einen der "Großen Drei" aus Detroit übernimmt. Jeder ist käuflich.

Oder droht eine Übernahme nach der "Corporate Raider"-Methode? Dieses Spiel haben die Übernahme-"Barbaren" der achtziger Jahre populär gemacht, und Vodafone-Chef Gent hat es bei der Zerschlagung von Mannesmann richtig gut gespielt. Man nehme einen Konzern mit einem ganzen Strauß an Geschäftsfeldern, darunter einige echte Rosen und einiges an Grünzeug. Nun warte man im besten Fall, bis das Grünzeug die Rosen verdeckt und der Börsenwert bröckelt. Ist man der Überzeugung, der ganze Strauß sei weniger wertvoll, als würde man die Blumen und das Grünzeug einzeln verkaufen, ist es Zeit zuzuschlagen.

Dann kann man sich, so die Chris-Gent-Variante, die Rosen einverleiben und das Grünzeug auf dem Flohmarkt der Unternehmen anbieten. Oder, so die reine "Raider"-Variante, man zieht durch die In-Kneipen der Geschäftswelt, verkauft einzelne teure Rosen und einzelne billige Blätter und hat am Ende mehr Cash in der Hand, als man für den Strauß gezahlt hat. Nicht gerade beruhigend für DaimlerChrysler, dass man einerseits eine schwächelnde Aktie und andererseits schöne Rosen wie Mercedes-Benz, welke Rosen wie Chrysler und gar nicht so hässliches Grünzeug wie Debis und DASA hat.

Eine dritte Version der Übernahmephantasie ist auch noch im Köcher, man könnte sie die Stefan-Raab-Variante nennen: Alle werden auf den Arm genommen. Hier ein Gerücht, da ein Gerücht, und schon beginnt der Daimler-Kurs wieder ein bisschen zu klettern, und mit jedem Euro, den der Kurs gewinnt, werden die dreizehn Prozent des Verteidigungsstrategen Deutsche Bank über 200 Millionen Mark mehr wert. Nächstes Jahr kann man solche Anteile dann übrigens steuerfrei loswerden und … jeder ist käuflich.